Donnerstag, 13. August 2026

und ein zweites Relikt....

am Brienzergrat. Das Besondere ist hier, dass die höchsten südexponierten Bereiche in den pleistozänen Kaltzeiten im Sommer schneefrei waren und kälteresistenten Pflanzen Überlebenschancen boten. Heutige Arten, die das Gebiet vermutlich seit dem Jungtertiär ununterbrochen besiedelt haben, bezeichnen wir als präglaziale Florenrelikte. Bei zwei Arten mit isoliertem Vorkommen am Brienzer Grat – Seguiers Hahnenfuss  und Westlicher Alpenmohn – muss die Reliktnatur fast zwingend angenommen werden.

Schon auf der Seilbahn-Fahrt von Sörenberg aufs Brienzer Rothorn eine erste Ueberraschung: im unzugänglichen Felsen mehrere Steinbock-Zicklein, die nach Auskunft des Bahnbegleiters etwa 10 Tage alt sind. Sie wurden von einem Altier bewacht.

Oben angelangt dann der Bergfrühling in seiner Hochform mit dem, was in der älteren botanischen Literatur als "unsere lieblichen Alpenkinder, die in den Bergen prangen," bezeichnet wird. Gemeint sind natürlich die Bergblumen mit all ihren bunten Farben . Die folgenden Aufnahmen entstanden anlässlich von drei Wanderungen vom Brienzer Rothorn zum Höch Gumme im Juni und zeigen dem geneigten Betrachter, welch aussergewöhnliches Blumenparadies das Gebiet darstellt.



fast ein Vexierbild bietet sich auf der Seilbahnfahrt:
wo in dieser steilen Wand sind nur die Steingeissen?


der Rothorn Kulm ist auch ein Belvedere mit unglaublicher Rundsicht,
hier z.B auf Sörenberg und die Haglere links im Bild

und was sieht man denn hier, wenn man von der Bergstation zurückblickt?

es sind im Vordergrund doch tatsächlich gut getarnte
Schneehühner (Lagopus muta) in der Sommertracht!
Besten Dank an Paul Hürlimann für diese Aufnahmen!



und schon kommt diese typische
Alpenblume in Sicht
es ist der Silikat-Glocken-Enzian
(Gentiana acaulis)


Blattreiches Läusekraut 
(Peducularis foliosa)

nein, kein Läusekraut, sondern
eine meiner Lieblingsarten, weshalb
es gleich mehrere Bilder davon gibt

es ist unsere einzige
gelbe Glockenblume

die Strauss-Glockenblume
(Campanula thyrsoides)...

die auch im Knospen-Stadium..
durchaus ihren Reiz hat!


ganz anders präsentiert sich die andere Seite des Grates
mit dem allseits bekannten Brienzersee

auch diese bekannte Alpenblume
darf nicht fehlen,
die Silberwurz (Dryas octopetala)




etwas weniger bekannt indes ist
der Alpen-Wegerich (Plantago alpina)








links das Bunte Läusekraut (Pedicularis oederi)
und rechts die Gämskresse (Pritzelago alpina)
Séguiers Hahnenfuss schon gefunden?
Nicht doch, es ist der ebenso schöne
Alpen-Hahnenfuss (Ranunculus alpestris)


hier beginnt nun sozusagen die kleine
Orchideenparade mit der Kugelorchis
(Traunsteinera globosa)



doch halt! Da hat sich etwas Schnittlauch
(Allium schoenoprasum) dreingemischt,
doch wie schön ist auch er!






Weisszunge (Pseudorchis albida)
Bränderli (Nigritella rhellicani)




auf solchen Windgraten wie links wächst
dieser Winzling, hier mit Zwänzgerli zum Vergleich:
Zwergorchis (Chamorchis alpina)


hier blüht die Zwergorchis gerade auf,
wobei die Blüten sich kaum von
der Farbe der Blätter unterscheiden
heimliche Freude erfüllt mich stets
beim Auffinden des Winzlings



Berg-Esparsetten (Onobrychis montana) mit Weisszungen


Langspornige Handwurz
(Gymnadenia conopsea)
Grüne Hohlzunge
(Coeloglossum viride)


Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta)


Berghähnlein (Anemone narcissiflora)



Ensemble mit Alpen-Sonnenröschen u.a.m.




Ensemble mit Augenwurz u.a.m.


Südlicher Tragant (Astragalus australis)
Alpen-Tragant (Astragalus alpinus)


Ensemble mit Gletscherlinse (Astragalus frigidus)

Grossköpfige Gämswurz (Doronicum grandiflorum)


Alpen-Aster (Aster alpinus)
Berg-Spitzkiel (Oxytropis jacquinii)



die geniale Wegführung bietet immer neue Ausblicke


Netz-Weide (Salix reticulata)
Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)


Ensemble mit Alpen-Wundkleee (Anthyllis vulneraria ssp. alpestris)


Berg-Pippau (Crepis bocconei)


Braun-Klee (Trifolium badium)





für solche Ausblicke ist die Gegend berühmt





Einköpfiges Ferkelkraut (Hypochaeris uniflora)




zwischen die Gelblinge schleicht sich das ein:
Rundblättriges Täschelkraut (Thlaspi rotundifolium)




Raues Schutt-Milchkraut
(Leontodon hispidus ssp. pseudocrispus)



Gämswurz-Greiskraut (Senecio doronicum)
Arnika (Arnica montana)


Weisse Trichterlilie (Paradisea liliastrum)
u.a.m.


Alpen-Leinkraut (Linaria alpina ssp. alpina)





Alpen-Spitzkiel (Oxytropis campestris)



ohne Worte



Gämswurz (Pritzelago alpina)
Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina)


Grünlicher Germer
(Veratrum album ssp. lobelianum)



Niedliche Glockenblume (Campanula cochleariifolia)



Augenwurz (Athamanta cretensis)


eher unerwartet treffe ich hier oben auch auf
den Schweizer Mannsschild (Androsace helvetica)





Diese eher seltene Hochgebirgspflanze lässt sich von Stürmen,
Kälte, Hitze und Trockenheit nicht aus der Ruhe bringen.
Sie hat eine lange Pfahlwurzel, mit der er sich in Felsspalten verankert
und so an Nährstoffe und Wasser gelangt. Das Innere ist wie ein Schwamm
und kann grosse Mengen Wasser aufnehmen.



und zum Schluss noch der Star des Tages:
Séguiers Hahnenfuss (Ranunculus seguieri)
obgleich es erst Ende Juni war,
waren praktisch alle Pflanzen schon abgeblüht



auf dem Gipfel des Höch Gumme angekommen













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