Sonntag, 10. November 2019

ein Daumen zum Staunen

mit der Seilbahn bis zur Mittelstation fahren, alsdann gemächlich zum Gipfel hochwandern: das hat der Blumenwanderer dieses Jahr gleich bei mehreren stotzigen Bergen praktiziert. Das Verfahren hat sich bewährt, kommt so doch der "Schweinehund" in ihm zum Zuge, der nicht mehr wandern will als nötig, und gleichzeitig der Botaniker zu seinem Recht, der soviel Zeit wie möglich bei den alpinen Pflanzen verbringen möchte!

Auf einer derartigen Wanderung auf den "Stögu", wie das Stockhorn in Thun und Umgebung genannt wird, konnte der Blumenwanderer über so manche faszinierende Alpenpflanze staunen. Schliesslich wurde der Gipfel, dessen Liechtli ihm seit der Kindheit ein nächtlicher Fixpunkt ist, einmal von der Stockhornbahn mit dem flapsigen Slogan "der Daumen zum Staunen" beworben.



bereits am 30. Juni 2015  hat der Blumenwanderer
einen Beitrag zum Stockhorn veröffentlicht.
Diesmal geht er etwas früher hinauf - und findet die letzten Schneereste!

kurz nach der Mittelstation findet man
bereits die erste spezielle Art:
Alpenrachen (Tozzia alpina)

mit einem holoparasitischen Jugend- und einem
hemiparasitischen Blühstadium verbindet
diese Art Halb- und Vollschmarotzer

einige feuchte Matten sind grad weiss
vom Eisenhut-Hahnenfuss (Ranunculus aconitifolius)

auf Kalkschutt wächst gerne der Leberbalsam (Erinus alpinus)



zwei weitere Kalkbesiedler sind links
das Felsen-Kugelschötchen (Kernera saxatilis)
und oben die Alpen-Wachsblume (Cerinthe glabra)



stimmiges Ensemble aus Steinquendel, Sonnenröschen und Mauerpfeffer

durchquert man die subalpinen Nadelwälder
kann man zwei unscheinbaren Orchideenarten
begegnen: Kleines Zweiblatt (Listera cordata)

Korallenwurz (Corallorhiza trifida),
noch in den Knospen


Frühlings-Enzian (Gentiana verna)


Gelbes Berg-Veilchen (Viola biflora)


damit hatte ich nicht gerechnet:
Holunder-Fingerwurz (Dactylorhiza sambucina)



damit schon eher: Manns-Knabenkraut (Orchis mascula)

davor weniger augenfällig:
die Hohlzunge (Coeloglossum viride)


zwei Blaublüter: Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris)

Herzblatt-Kugelblume (Globularia cordifolia)


in einer Baumlücke erscheint der Gantrisch von hinten...

und auf der anderen Seite das Oberstockeseeli.
gegen Ende des Strüssligrats erhebt sich der Stögu-Gipfel:
von hier aus gesehen ähnelt er eher einem Zahn denn einem Daumen.


doch vor dem Schlussanstieg wird eine Zwischenrast gehalten!
Da fliegt auf einmal eine Dohle auf meine Beine.
Die Bettlerin erhält ein paar Rosinen.






nachdem sie mit hängenden Beinen von dannen geflogen ist,
kann ich rastenderweise neben mir gleich weiterfotografieren:
Blattloser Ehrenpreis (Veronica aphylla) und ....
auf der anderen Seite leuchtet mir
die Kalk-Polsternelke (Silene acaulis) entgegen.

beim Weitergehen gerät man direkt an den Fuss
des Stockhorns, das aus einer fast senkrecht
aufgestellten Gesteinsplatte besteht

Buntes Läusekraut (Pedicularis oederi)


Alpen-Fettblatt (Pinguicula alpina)
unten Gämskresse (Pritzelago alpina) und
Alpen-Hahnenfuss (Ranunculus alpestris)

da dies kleine Ding mir so gefällt,
mache ich ein paar Fotostudien
es ist die Faltenlilie (Lloydia serotina), die seit
2009 zur Gattung Gagea (Gelbsterne) gezogen wird


auch beim deutschen Namen ist einiges schiefgelaufen:
weder ist das zarte Tülpchen spät (blühend), ....


noch weist es in seiner makellosen Schönheit
irgendwelche Falten auf!

Faltenlilien im Bestand




Gelbes Alpen-Stiefmütterchen (Viola lutea)

die Strauss-Glockenblume (Campanula thyrsoides)
schickt sich gerade an,
ihren phänomenalen Blütenstand zu entwickeln






beim Gipfelbereich angelangt,
bemerkt der geneigte Wanderer
das Stockhorn-Kleinod

ein wirklicher Schmuck der Kalkfelsen hier oben ist
der Steinschmückel (Petrocallis pyrenaica).
Ich sehe diese Art zum ersten Male blühend!


um den relativ früh blühenden Steinschmückel
"in bloom" zu sehen, muss man sich 
frühzeitig im Jahr auf die Socken machen

Glatt-Brillenschötchen (Biscutella laevigata)


in den Kalkfelsen blüht auch gut getarnt
das Filzige Felsenblümchen (Draba tomentosa)
daneben sieht man völlig verblüht auch
den Gegenblättrigen Steinbrech (Saxifraga oppositifolia)



ein Tiefblick  auf Thun und seinen See




in Reih und Glied stehen die Täfelchen zum Anschreiben
des Alpenblumen-Lehrpfades bereit



links der markante Sendemast auf dem Stögu-Gipfel und in Bildmitte der Niesen. Zwischen diesen beiden
die Berner Oberländer "Koryphäen" Eiger, Mönch und Jungfrau. Damit haben wir die berühmtesten Berner beisammen!


nach dem spannenden Tag
steht die leere Gondel für die Fahrt nach unten bereit