Sonntag, 20. September 2026

es herbschtelet...

und so ging der Blumenwanderer wieder seinem lieben Herbsthobby nach, dem Auffinden von neuen Fundorten der Wendelähre. Diesmal wurde die Suche beim Durchstreifen von Weiden oberhalb von Brienz im Berner Oberland auch zu einer kleinen Bestandesaufnahme all dessen, was immer noch (oder erst recht!) blüht in dieser schönen Gegend.


schon die Anreise lässt einen eintauchen in einer rurale Märchenlandschaft


jede Weide hat ihren eigenen Stall bzw. Heuschober


nicht lange dauert es, so kommen auch schon die Gesuchten
 in Sicht, die Herbst-Wendelähren (Spiranthes spiralis),
eine leider nur selten anzutreffenden Orchideenart


auf dieser Feld-Wittwenblume (Knautia arvensis)
 sitzt eine nahezu schwarze Hummel


Grosse Brunelle (Prunella grandiflora)



jetzt ist auch die Hochsaison...

des Doldigen Habichtskrauts (Hieracium umbellatum).
Rechts davon der Teufelsabbiss (Succisa pratensis).


stellenweise färbt das Habichtskraut die Matten gelb!


immer wieder hebt man gerne den Blick


zahlreich sind auch die noch blühenden
Hauhecheln (Ononis repens) und...

Skabiosen-Flockenblumen
(Centaurea scabiosa).

was gibt denn das hier?


Fliegenpilz (Amanita muscaria) jung und alt!

Echtes Labkraut (Galium vernum)

wie die Pilze auch sie ein Zeichen des Herbstes:
Herbst-Zeitlosen (Colchicum autumnale)


die grösste gefundene Wendelähre
mass fast 30 cm!
der Blütenstängel erscheint immer
neben der neuen Rosette!

hier wächst sie mal in Gesellschaft
des Thymians


viele Wendelähren sind schon am Abblühen


erstaunlicherweise setzt die Wiesensalbei
(Salvia pratensis) nochmals zur Blüte an


sie jedoch ist eine typische Herbstblüherin:
die Goldrute (Solidago virgaurea)
macht ihrem Namen Ehre!


Wiesen-Augentrost (Euphrasia rostkoviana)


um diese Zeit meist flächendeckend auftretend:
Blutwurz (Potentilla erecta)


ein typisches Herbstkind ist auch
die Besenheide (Calluna vulgaris)


die Silberdistel (Carlina acaulis) zeigt
den sommerwarmen, beweidete Magerrasen an


die Wendelähre besiedelt gerne Trockenrasen,
die regelmäßig von Schafen beweidet werden.
und von diesen gibt es hier so einige.

die Schatten werden länger

um den Stall wachsen der Gute Heinrich
(Chenopodium bonus-henricus) und...


der Ausgerandete Amarant (Amaranthus emarginatus),
während im Hintergrund eine Kuh sich
am aufgehängten Salzleckstein gütlich tut


das war ein schöner Nachmittag!











Freitag, 28. August 2026

ein Relikt zum Dritten!

Es gibt Pflanzenarten, die Überbleibsel aus einer vergangenen Klimazeit an einem isolierten Standort sind. Sie stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen (wie dem Mittelmeerraum) und breiteten sich postglazial in früheren Jahrtausenden unter anderen klimatischen Bedingungen weiter nach Norden aus.

Als es wieder kühler und feuchter wurde oder sich die Wälder schlossen, verschwand die Pflanze aus den meisten dazwischenliegenden Gebieten. Nur an extremen, kleinklimatisch begünstigten Standorten – zum Beispiel an sonnigen, trockenen Fels- oder Schutthalden – konnten sog. reliktische Vorkommen bis heute überdauern.

Ein solches Relikt, diesmal im Jura, ist die Mittlere Schleifenblume (Iberis intermedia), die es in der Schweiz nur an einem einzigen Extremstandort gibt. Nach ihr ist sogar eine eigene pflanzensoziologische Schutt- und Felsflur-Gesellschaft benannt, das Iberidetum intermediae. Dies und was der Blumenwanderer dort sonst noch antraf, zeigt dieser Beitrag.


schon kommen die typischen Kalkflühe
des Jura in Sicht


im Felsigen auch eine letzte Blüte
der Felsen-Sand-Schaumkresse
(Cardaminopsis arenosa ssp. borbasii)


Wald-Bergminze (Calamintha menthifolia)


stellenweise sieht es hier zu meiner Überraschung
auch aus wie in einem tropischen Regenwald



toller Ausblick auf die Jurawälder
das faszinierende Refugium kommt in Sicht
die gesuchte Art steht gerade in Vollblüte:
die Mittlere Schleifenblume (Iberis intermedia)


sie trägt Spanien (Iberien) im Namen!



Iberis intermedia kann taxonomisch als Sammelsurium
  von (endemischen) Kleinarten aufgefasst werden,
die vor allem in Frankreich verbreitet sind.


eigentlich könnte sie auch eine Zierblume sein!

die Pflanzen sind gut und tief im Schutt
verankert, wie man an ihren kräftigen
Stämmchen sieht.




und ihre typischen, am oberen Ende ausgerandeten
und geflügelten Schötchen.


dass hier auch der wärmeliebende
Hügel-Waldmeister (Asperula cynanchica)
vorkommt, überrascht nicht, ....



schon eher überraschend ist, dass hier auch
massenhaft Maiglöckchen vorkommen,
die man sonst in Wäldern findet!


einzigartig für den Jura ist hier auch
ein Vorkommnis der sonst in den Alpen
verbreiteten Alpen-Klatschnelke
(Silene vulgaris ssp. glareosa)
die Schönheit ihrer Blüten offenbart
sich nur aus der Nähe (fast schon
eine kleine Schachblume!)



gefreut hat mich hier auch dieser Fund
aus dem jurassischen Raritätenkabinett



es ist die Schmalblättrige Spornblume
(Centranthus angustifolius)



die Art gilt in der Schweiz als stark gefährdet!



auch nicht gerade oft treffe ich diese wärmeliebende
Art an: die Berg-Kronwicke (Coronilla coronata),
hier leider schon verblüht



ihre Blätter sind auffallend blaugrün (glauk) gefärbt




da sie so speziell sind,
hier nochmals die besprochen Arten!




nicht erwähnt wurde bisher diese Art, die hier
voll in ihrem Element ist: der Berg-Gamander
(Teucrium montanum).

 die Graufilzige Frühlings-Schlüsselblume
(Primula veris ssp. columnae)
ist längst verblüht


eine Totenkopfschwebefliege auf
Sichelblättrigem Hasenohr (Bupleurum falcatum)





nochmals geniesse ich den Ausblick und kehre dann um,
um das Refugium den nächsten hundert Jahren Einsamkeit zu überlassen.

der im Jura häufige Holz-Apfelbaum
(Malus sylvestris)...
hat, wie der Name sagt,
 holzige, herbe, ungeniessbare Früchte.

den Abschied entboten mir diese beiden weissen Esel!