Montag, 23. März 2026

Viele Kleine und ein Grosser

Was jetzt grad nach einem Definitionsversuch für die Monarchie tönt, ist nicht so gemeint. Aber immer und überall gibt es scheints Individuen, die reicher, schöner, grösser, besser, geschickter, also einfach auffälliger sind als andere. So auch im Pflanzenreich.

Durchstreift man gegenwärtig die Walliser Steppenvegetation, hat man den Eindruck, dass immer noch Winter ist bzw. das vorherrscht, was man so schön Dormanz nennt. Nur die auffälligen Radblüten des Frühlings-Adonis stechen sofort ins Auge: welch eine Pracht die Natur da so früh im Jahr entfaltet!

Wenn man sich dann etwas genauer umsieht, was da einem direkt vor den Füssen wächst, klein bis winzig, unauffällig wuselnd, bescheiden sich duckend, sieht man im wahren Wortsinn das Fussvolk: kleinwüchsige Arten, meist einjährig, die auch schon blühen oder sich doch bemühen, so zu tun und ihre ganz eigene Schönheit aufweisen. Etwelche Parallelen zur Menschenwelt sind nicht beabsichtigt. Hier kommt der Grosse für einmal erst ganz am Schluss.



bald nach der Ankunft werde ich im Siedlungsbereich
von diesem zuckersüssen Ehrenpreis empfangen:
Glänzender Ehrenpreis (Veronica polita)


wie mich all diese blauen Äuglein erfreuten!
und direkt am Strassenrand grad noch
ein weiterer Ehrenpreis mit tieflblauen Blüten


es ist der seltene Dreiteilige Ehrenpreis (Veronica triphyllos)


und hier eine ebenso grosse Rarität: der Frühe Ehrenpreis (Veronica praecox)!
Besten Dank für diese Foto an Marc Henzi!
und hier der klassische Winzling! Das Lenzblümchen (Erophila verna)
wird nur wenige Zentimeter gross, bemüht sich aber sehr, doch irgendwie aufzufallen.


nein, nicht schon wieder das Lenzblüemli, sondern..
das Stängelumfassende Täschelkraut
(Thlaspi perfoliatum).

was für ein schöner Vorgarten!
Aber leider finde ich hier keine Winzlinge und gehe bald vorüber.


"auf wüsten Plätzen" aber schon eher, wie links
die bekannte Schotenkresse (Arabidopsis thaliana)
oder oben die Bewimperte Gänsekresse (Arabis ciliata)


die Spurre (Holosteum umbellatum)
mit ihren nach dem Blühen
zurückgeschlagenen Blütenstielen


ganz schön aufrecht hingegen präsentiert sich
das Vielstängelige Schaumkraut (Cardamine hirsuta)


die Berg-Anemonen sind schon verblüht,
aber das da im Vordergrund ist doch....

das Schildschötchen (Clypeola jonthlaspi)!


Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)

Piemonteser Kreuzlabkraut (Cruciata pedemontana)



und dieses famose Trio hier besteht (von links nach rechts) aus:
Acker-Mannsschild (Androsace maxima),
Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis),
Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides).

der Acker-Mannsschild ist in der Schweiz stark gefährdet
und kommt nur noch an wenigen Stellen im Wallis vor



hoffentlich muss hier jetzt nicht mehr
allzu oft Schweizer-Salz bezogen werden!

Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides)





Steinkresse (Hornungia petraea)

Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites)

der Name ist Programm:
Niedrige Segge (Carex humilis)
ich wusste gar nicht, dass die Staubbeutel der Vogelmiere (Stellaria media) vor dem Öffnen eine rote Farbe aufweisen!

König Adonis, pardon...

der Frühlings-Adonis im Mittelwallis ist schon ziemlich
 einzigartig in den Alpen. Seine "Einwanderung" nach
 Mitteleuropa soll erst am Ende der letzten Eiszeit erfolgt sein.


hier blüht doch noch eine letzte Berg-Anemone (Pulsatilla montana)

der Frühlings-Adonis wächst auf trockenen
und sonnigen Felshängen, wo er ein Klima ... 
 vorfindet, das seiner osteuropäischen Heimat
 (Steppenregion) sehr ähnlich ist.



wie schön leuchten die Blüten des Adonis in der Abendsonne!
die Orchideen blühen noch nicht
die violetten Knospen des Adonis sind mir zum ersten Mal aufgefallen
sobald sich die Blüten öffnen, schwindet die violette Farbe

Besten Dank an Marc Henzi
für diese vier faszinierenden Nahaufnahmen!
Adonis in einem Zwischenstadium zwischen
Knospe und Vollblüte.


die Blüten öffnen sich bei Sonnenschein
 und wenden sich der Sonne zu

die Blüten wirken ähnlich wie Parabolspiegel,
sodass es in ihrem Innern nachgewiesenermassen
wärmer ist, was Insekten nutzen können,
um sich aufzuwärmen


kurz vor Sonnenuntergang erstrahlen diese Aprikosenblüten!







Samstag, 28. Februar 2026

Sous le soleil des Follatères

Eigentlich ist es noch Winter, auch im Wallis. Die Reben schlafen, die Hänge und Steppenwiesen sehen kahl und braun aus. Aber da und dort sieht man schon im Februar grüne Flecken und bunte Tupfer. Denn die Abwesenheit des Nebels, die Klarheit des Himmels und die geschützte Südlage führen dazu, dass an bestimmten Stellen im Wallis, wie z.B. in den Follatères, einige Frühblüher zu sehen sind, während im Rest der Schweiz alles noch in Kälte und Nebel erstarrt: Der Reiherschnabel, das Fingerkraut, die Gelbsterne, die Lichtblumen und sogar die Mandelblüten und noch einiges mehr, was dieser Beitrag zeigt.

Die Follatères brauchen keinen Kommentar, denn Reichtum und Diversität von Flora und Fauna sind zu jeder Jahreszeit offensichtlich. Sobald man bei Branson den geometrischen Linien der Rhoneebene den Rücken kehrt, befindet man sich in einer anderen Welt voller kurvenreicher Pfade, alter Weiler, Rebberge mit eingestreuten Flaumeichen und Felsvorsprüngen, kurz einem Naturparadies von nationaler Bedeutung.


der spezielle Wanderer hier in Branson gibt mir die Richtung vor


erfreut stelle ich beim Aufstieg fest, dass heuer
mal gemäht wurde, was für die Artenvielfalt...
der Trockenwiesen von entscheidender Bedeutung ist.
 Ein Helikopter hat Zaunpfähle abgeladen.


einen Beitrag über die Follatères nicht mit den Lichtblumen zu beginnen,
gleicht schon fast einem Sakrileg...


aber für einmal gebührt den Mandelblüten
der Vorzug (Prunus dulcis)!


bald schon umfängt mich die südliche Landschaft oberhalb von Martigny


und hier sind sie also, die Lokalmatadoren,
die Lichtblumen (Bulbocodium vernum)!

aber die Kleinen dazwischen sollen
 nicht vergessen gehen:
das Lenzblümchen (Erophila verna)
bildet stellenweise ganze Teppiche.
die Spurre (Holosteum umbellatum)
das Vielstängelige Schaumkraut (Cardamine hirsuta)





der Festknollige Lerchensporn (Corydalis solida)
wird schon von Insekten aufgesucht





eine weitere Besonderheit des Gebiets ist auch schon
am Blühen: Felsen-Gelbsterne (Gagea saxatilis)!





ebenso wie eine zweite Gelbstern-Art:
Acker-Gelbsterne (Gagea villosa)



erste Blüten des Reiherschnabels
(Erodium cicutarium)  öffnen sich


auch die Schopfige Traubenhyazinthe (Muscari comosum)
ist am Erwachen





weiter geht es über Stock und Stein


bis zum Nacktfarn (Anogramma leptophylla), 
der anfällig ist gegen Fröste und daher...
nur unter wenigen geschützten Felsbalmen wächst.


Glatter Löwenzahn (Taraxacum laevigatum aggr.)
auch das Grauflaumige Fingerkraut (Potentilla pusilla)
wird schon von Insekten angeflogen


Echter Erdrauch (Fumaria officinalis)


Kornelkirsche (Cornus mas)





nur dank genauen Fundortkenntnissen gefunden:
die frischen Rosettchen des einjährigen
Weidenblättrigen Sonnenröschens (Helianthemum salicifolium)


wie geniesse ich doch immer den Ausblick bis ins Oberwallis! 

Sefistrauch (Juniperus sabina)
Gift-Lattich (Lactuca virosa cf.)


Kleines Immergrün (Vinca minor)


zwischen den Kastanien blühen tatsächlich auch schon
die ersten Osterglocken!



Adieu Follatères, je serai bientôt de retour!