Was ist Schönheit? Darüber liesse sich nun trefflich philosophieren. Tatsache ist, dass die meisten Menschen Blumen als schön empfinden. Und so zieht denn eine Blumenschau wie die „Fête de la Tulipe“ in Morges ganze Menschenmassen an, darunter natürlich auch den Blumenwanderer.
Man könnte nun ganz sachlich von „Schauapparat“ sprechen, den die Pflanze eben brauchen würde, um Insekten anzulocken. Er signalisiert den Bestäubern schon aus der Ferne das Vorhandensein von Nahrung wie Nektar oder Pollen. Da nun hinlänglich bekannt ist, dass Menschen keine Insekten sind und auch nicht unbedingt zwanghaft auf der Suche nach Nektar sind, muss unser Gehirn sonstwie darauf programmiert sein, gewisse Merkmale und Muster von Blumen als positiv zu bewerten. Offenbar wirken Farben und Düfte generell beruhigend auf die Psyche (die Diskussion über Dopamin, Oxytocin etc. lassen wir jetzt lieber beiseite).
Zudem sind Blumen besonders für Menschen in zubetonierten Stadtlandschaften in ihren tristen Kastenwohnungen oft der letzte greifbare Bezugspunkt zur Natur, was ein Gefühl von innerem Frieden vermittelt. Der Blumenwanderer macht da keine Ausnahme, nur dass er unerklärlicherweise auch Blumen ohne „umwerfenden“ Schauapparat verehrt und – darf man das sagen? - auch die inneren Werte der Pflanzen schätzt!
| so kennt und liebt man die traditionelle Tulpenschau. Hier zeigen Pflanzen, welche Pracht sie entfalten können (wenn auch unter Mithilfe des Menschen). |
| sogar nahezu schwarze Tulpen gibt es hier |
| dann doch lieber die weissen! |
| die ausgefallensten Formen werden präsentiert... |
| mit krassen optischen Signalen. |
| während der Genfersee einen herrlichen Hintergrund abgibt |
| auch für Schatten ist gesorgt im Parc de l'Indépendence |
| ein Flammenmeer oder ganz nüchtern gesprochen: eine Ansammlung von strukturellen Anlockungseinheiten zur Maximierung der Fernwirkung. |
| und auf einmal das hier am Wegrand! Auch wenn die Fernwirkung dieser Anlockungseinheiten eher gering ist, .. |
| den Blumenwanderer zieht die schöne Ackerröte (Sherardia arvensis) dennoch in ihren Bann! |
| kurz darauf ging ein Rasenmäher drüber, aber die Pflanzen werden's überleben |
| mit seinen schönen Nebenblättern. Auch er ursprünglich mediterran. Sein Ausbreitungsmechanismus sind seine stacheligen Hülsen, die hier noch nicht entwickelt sind. |
| und hier sind wir definitiv bei der Unkraut-Fraktion angelangt, wobei der Blumenwanderer den Begriff Wildpflanzen bevorzugt: Stachelfrüchtiger Hahnenfuss (Ranunculus muricatus). |
| ist doch spannend, aus der Nähe zu sehen, wie die Kelchblätter dieser Art nach unten geschlagen sind! |
| seine typische Stachelfrucht |
| auch diese Art hat es adventiv bis an den Arc lémanique geschafft, ist aber etwas kokurrenzschwach und bevorzugt offenere Flächen zur Ansiedlung |
| häufig fallen die kugeligen Früchtchen mit ihren charakteristischen Höckern und Borsten mehr ins Auge als die eigentlichen Blüten |
| die Blüten sind mit einem Durchmesser von nur 3-6 Millimetern extrem klein und unterscheiden sich somit deutlich von den grossen, prachtvollen Blüten anderer Hahnenfuss-Arten |
| gut zu sehen die schöne wollige Behaarung... |
| und die am Grund häutig verbreiterten Blattstiele. |
| diese sind nach dem Entfernen der Blättchen besonders eindrücklich! |
| die Lupenaufnahme enthüllt auch hier die herabgeschlagenen Kelchblätter! Dadurch erhält die Blüte fast ein "zerzaustes" Aussehen. |
| hier wachsen die beiden oben beschriebenen Ranunculi direkt nebeneinander: links parviflorus und rechts muricatus! |
| und was will der Blumenwanderer hier wieder für ein Unkraut sehen? |
| es ist ein zierlicher Ehrenpreis mit weissen Blütchen aus Amerika, der das Wandern schon im Namen trägt. |
| auch beim Wander-Ehrenpreis (Veronica peregrina) offenbaren sich die inneren Werte erst aus der Nähe (Foto: Paul Hürlimann) |
| diese schöne Rosette gehört dem Acker-Frauenmantel (Aphanes arvensis). Mittlerweile wird die Art aufgrund der intensivierten Landwirtschaft überall seltener. |
| hier hat auch diese rare indigene Art einen Sekundärstandort gefunden an einer Stelle mit wenig Dauerbewuchs |
| es ist sozusagen der Star des Tages: Steinquendel-Ehrenpreis (Veronica acinifolia), von dem es in der Schweiz nur noch einen einzigen weiteren Fundort gibt! |
| die Art ist in der Schweiz akut vom Aussterben bedroht (Foto: Paul Hürlimann) |