Donnerstag, 5. Dezember 2019

Gelegenheit macht Knipser

.... und an Gelegenheiten mangelte es nicht in der zurückliegenden Saison. Da die liegengebliebenen Aufnahmen sich als zahlreicher erwiesen als erwartet, hier noch eine zweite Folge mit heurigen Bildern aus dem Kanton Bern (Schweiz).

Auch der Blumenwanderer macht gerne hie und da schnell einen Schnappschuss. Er kann sich der Faszination nicht entziehen, einen besonderen Moment in ein Stück Ewigkeit zu verwandeln. Doch möchte er sich auch nicht lange mit Technik auseinandersetzen und möglichst keine Zeit mit der Nachbearbeitung verbringen. Er druckt seine Bilder kaum je aus. Mit einem Wort: Er ist ein Gelegenheitsknipser.

Und wer ein halbwegs modernes Smartphone sein Eigen nennt, der hat schon das passende Werkzeug für diese Tätigkeit. Hier das Ergebnis von einigen Naturbegegnungen, die alle auch das Faszinosum des Beiläufigen an sich haben. Nicht Wissenschaft und Kunst, sondern die Liebe zur Natur waren hierbei leitend. Die Hauptsache aber lässt sich nicht abbilden.




niedliche Gruppe von Birngrün (Orthilia secunda)


dies liess sich der Gelegenheitsknipser nicht entgehen:
ein Gärtli von Waldhyazinthen (Platanthera bifolia)
in der Nähe seines Wohnortes


Borstige Glockenblume (Campanula cervicaria)


und in der Nähe ein Getreidefeld, über dem sich die rispigen
 Blütenstände des Acker-Windhalms (Apera spica-venti) wiegen



auch diese war ein Schnappschuss wert: Fuchs' Fingerwurz (Dactylorhiza fuchsii)


das Kleinblüten-Fingerkraut (Potentilla micrantha)....

wächst hier mitten in der Stadt Bern.





gibt es denn sowas!? Ein Fall für den Gelegenheitsknipser ist auch
dieser Teppich von Moosorchis-Rosettchen (Goodyera repens).
Links ein einzelner Blütenstand dieser unscheinbaren Waldorchidee


jawohl, dies ist ein Baum und erst noch einer unserer seltensten!
die Zwergbirke (Betula nana) wird kaum je grösser als hier.

am selben Ort gesehen: Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre)


im Jura gesehen:
Distel-Würger (Orobanche reticulata)


in der Nähe davon der ungewöhnliche
Felsen-Waldmeister (Asperula neilreichii)





ein geisterhafter Waldschratt ist
der Fichtenspargel (Monotropa hypopitys).
Das aussergewöhnliche Heidekrautgewächs enthält kein
Blattgrün und lebt in Symbiose mit verschiedenen Pilzarten.

bei einem Wettbewerb für die hässlichste Orchideenart
wäre diese hier eine ernsthafte Anwärterin:
Kleinblättrige Stendelwurz (Epipactis microphylla).
Wahrscheinlicher ist aber die Theorie, dass der 
Knipser das Model nur nicht richtig in Szene setzte.

verblüht fast am besten zu bestimmen:
Zimmetröseli (Rosa majalis) bei Steffisburg

Holzbiene auf Patagonischem Eisenkraut (Verbena bonariensis) in meinem Garten





Spanische Flagge


Blauflügel-Prachtlibelle

Damenbrett




Dukatenfalter





Ysop-Blutweiderich (Lythrum hyssopifolia)

Flaum-Johanniskraut (Hypericum hirsutum)



Himmelsleiterli (Polemonium caeruleum) im Bestand

hier mit Gast (Miramella alpina cf.)

auch neben einem Tümpelchen an der Autobahn bei Heimberg
"schlug der Gelegenheitsknipser zu": Stachel-Flechtbinse (Schoenoplectus mucronatus)


in den Hochstaudenfluren.....



auf dem Chasseral sieht man bei genauem Hinsehen dies:
Langblatt-Hasenohr (Bupleurum longifolium)






es ist ein in der Schweiz selten vorkommender Doldenblütler

ganz in der Nähe findet sich auch dieser Schmarotzer:
Laserkraut-Würger (Orobanche laserpitiii-sileris)


hier entfaltet sich das Blatt einer Engelwurz (Angelica sylvestris)








die Nordseite des Thunersees fällt stellenweise
schroff zum See ab: nicht zu fassen, dass hier
entlang eine Strasse gebaut werden konnte.

die Staatsstrasse zwischen Merligen und Unterseen wurde
erst 1882–1884 entlang des nördlichen Thunerseeufers
als wildromantische Strecke und Touristenmagnet erstellt


vor dem Bau dieser Strasse, von der aus diese
Aufnahmen entstanden, konnten die Kurorte des
rechten Thunerseeufers nur per Raddampfer oder
zu Fuss über den Pilgerweg erreicht werden.

«Diese wildromantische Strecke ... mit abwechselnden hohen Felswänden, Galerien und Tunneln, wird gleich den kühnsten Alpenstrassen einen ganz bedeutenden Anziehungspunkt für
Touristen bilden», hiess es damals.

ab 1914 sollte auf dieser Strecke zudem die Überlandstrassenbahn Steffisburg-Thun-Interlaken zirkulieren,
um die Kurorte am rechten Thunerseeufer für Touristen noch besser zu erschliessen.
Der Tram-Betrieb wurde 1938 zugunsten einer Autobuslinie eingestellt.
(Quelle all dieser Informationen: E. Flückiger Strebel, H.-U. Schiedt:
Die Strassengeschichte des Kantons Bern vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, 2011)



eher ungewöhnlich, dass im Berner Oberland
auch Kragenblumen (Carpesium cernuum) wachsen!



am Thunersee dagegen recht häufig anzutreffen ist
das Alpenveilchen (Cyclamen europaeum)



ganz selten kommen dem Blumenwanderer auch Tiere
vor die Linse: die Aspisviper (Vipera aspis aspis)
ist eine der beiden Giftschlangenarten der Schweiz

in der sog. S-Position ist das Tier bereit zum Angriff




auch das ist eine Aspisviper: neben Schwärzlingen können
diese Tiere auch eine beige Grundfärbung
mit schwarzen Querbinden haben

im Alpenraum sind Schwärzlinge meist häufiger




diesen Anblick kann man nicht gerade oft geniessen:
es handelt sich um das seltene Gehölz
Speierling (Sorbus domestica)
mit seinen birnförmigen Früchten.





und auch das liess sich der Gelegenheitsknipser nicht entgehen:
mit diesen stimmungsvollen Herbstaufnahmen des Niesens endet dieser Beitrag

Niesenschatten oder Schatttenniesen? Aufnahme aus umgekehrter Richtung vom Niesen aus im Winter.
(Quelle: Privatarchiv S. Grüenig, 2005)