Donnerstag, 17. Oktober 2019

beim Lärchenkönig

In einer Zeit, da der Blumenwanderer zum Baumwanderer wird, machte er noch einmal einen Ausflug ins herbstliche Wallis an einen ganz besonderen Ort.

Sie ist ein Lebensraum von erlesener Schönheit: die Alp Balavaux oberhalb von Nendaz. Wie Mammutbäume stehen hier einzeln über 250 uralte, dicke Lärchen, eine schöner als die andere und jede einzelne ein Monument von einem Baum. Dazu im Hintergrund die Kulisse der Viertausender von Matterhorn bis Montblanc und auf der anderen Seite die Berner Alpen weit über der Walliser Talebene. Doch was braucht es Worte, wo doch die Bilder mehr aussagen?!




bequem per Télécabine oben angelangt, sieht man in die Talebene hinab:
etwas oberhalb der Bildmitte das Rhoneknie, ganz rechts der Grand Chavalard und links die Pierre Avoi.



Blick hinüber in den Talkessel von Derborence mit den Diablerets im Hintergrund


hier geht der Blick talaufwärts: links der Bildmitte ist Sion zu sehen


ganz oben bei der Bergstation Tracouet ist auch ein Bergsee, der Lac Noir

da es gegen den Herbst geht, färbt das Laub der Heidelbeeren die Hänge rot.
Noch stehen indes die Lärchen nicht "in Flammen".





auch gewaltige Arven (Pinus cembra) kommen ins Blickfeld

und natürlich die ersten Lärchen (Larix decidua)!
Was ist schon ein Mensch im Vergleich zu ihnen?




hier ist eine auseinandergebrochen und .....

liegt wie ein urtümliches Dino-Reptil am Boden.

hier stehen die grössten und ältesten Lärchen Europas! Sie profitieren vom
windgeschützten Mikroklima und gedeihen bestens auf ca. 2000 Meter!


auf einigen von ihnen sieht man....

den seltenen Lärchenschwamm (Laricifomes officinalis).


hier steht ein weiteres Lärchen-Mammut am Wegrand

auch es ist bei näherem Hinsehen
von Laricifomes befallen





der Lärchenschwamm war über Jahrhunderte hinweg ein sehr begehrter Pilz. 
Hohe Preise lassen vermuten, dass die Pilzvorkommen der Nachfrage kaum 
gerecht wurden und die Fruchtkörper stark abgesammelt worden sind. 
Ob dies mit ein Grund ist für die aktuelle Seltenheit?

 der Fruchtkörper kann sehr alt werden
und wächst dabei gleichmässig
schichtweise nach unten

durch die Nadeln sieht man hier einen weiteren Lärchenschwamm.
Er ist stark wirtsspezifisch, d.h. er wächst nur auf alten Lärchen,
und das auch nur innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes.


man beobachtet Lärchen in allen Zerfallsstadien:
hier ist das tote Kernholz sichtbar ...

und da steht kaminartig nur noch die Hülle.


nicht nur Fäulnis, sondern auch Kremation kommt vor:
hier steht von einem Giganten nur noch....

der abgebrannte Rest, da er
wahrscheinlich von einem Blitz getroffen wurde.

doch auch vitale Greise gibt es!


hier befinden wir uns beim sog. "Roi de Balavaux".
So wird die grösste Lärche genannt mit einem
Stammdurchmesser von über 10 Metern. Das Alter 
des Patriarchen wird auf 850-1000 Jahre geschätzt


die Europäische Lärche ist der einzige in Europa heimische laubabwerfende, winterkahle Nadelbaum
Normalerweise wachsen Lärchen gross und schlank mitten im Wald. Bei genügend Sonnenschein
 und Platz – wie in diesem Fall bei Balavaux – werden sie zu riesigen einzelstehenden Giganten.


obschon das Kernholz der Lärchen besonders viel
Tannin enthält und so gegen Fäulnis geschützt ist,  ...

konnte hier eine Höhlung entstehen.

ist ein Blick durchs Elfentor gestattet?


oftmals haben diese Lärchen im Verlauf der Jahrhunderte
viel Steingeröll aufgestaut und überwachsen es auch

die fünfnadlige Arve (auch Zirbe genannt)
kann als frosthärteste Baumart Europas
problemlos bis 2000 Meter und mehr aufsteigen

Aussicht auf Balavaux mit eindrücklichen Föhnfischen darüber


als Arven-Lärchenwald bezeichnet man einen Waldtyp des Hochgebirges,
der in den inneralpinen Trockentälern die obere Waldgrenze bildet



erstaunlich oft sieht man mehrstämmige Arven


dank des Föhns war es auch im Herbst
auf 2000 Metern angenehm warm

wenn die Lärche ein König sein soll (auf Französisch ist sie
männlich!), dann ist die Arve sicher die Königin der Alpen!

hier hat eine alte Arve auf der Krete für Nachwuchs gesorgt


zum Schluss nochmal ein Rundblick von der Bergstation Tracouet ins Tal hinab








Mittwoch, 9. Oktober 2019

Sumpfblüten

Was wäre der Sundgau ohne seine Weiher! Der südwestliche Teil der Region, grob gesagt zwischen Altkirch und Delle, ist übersät mit kleineren und grösseren Tümpeln - und bekannt für seine vorzüglichen Karpfen. Doch nicht die Kulinarik lockte den Blumenwanderer in die Region,
sondern - man kann es sich denken - die mit den Tümpeln zusammenhängende Vegetation.

Die Teichwirtschaft, wie sie hier betrieben wird, bringt es mit sich, dass die Weiher in unregelmässigen Abständen abgelassen werden und verlanden, nach einer gewissen Zeit aber wieder befüllt werden. Das ganze Areal ist ein Reservoir von botanischen Seltenheiten, von wo aus die Möglichkeit der Ausbreitung besteht, sofern sich anderwärts die entsprechenden Bedingungen zur Ansiedlung vorfinden. Zwischen den Teichen besteht ein reger Verkehr, der durch Wasservögel vermittelt wird.

Ein frühherbstlicher Ausflug in die "France avoisinante" bescherte dem Blumenwanderer einen märchenhaften Tag inmitten dieser Teichlandschaft und ihrer Raritäten, von denen es in der Schweiz viele gar nicht mehr gibt.



eine ganze Anzahl seltener Wasser-und Sumpfpflanzen haben hier ihr Réduit bezogen:
Für den Naturforscher und -freund sind diese Teichlandschaften Orte voll
seltener Reize und Ueberraschungen und eine Fundgrube für spannende Beobachtungen

immer wieder sieht man Karpfen, wie sie im Flachwasser nach im Sediment lebenden
 Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Schnecken und Würmern gründeln

die Region Belfort und der Sundgau sind charakterisiert durch ein sanft hügeliges Relief und durch einen Schwemmland-Untergrund, der aus Lössboden besteht. Die Kombination dieser beiden Faktoren hat seit dem ausgehenden Mittelalter die Schaffung von künstlichen Weihern ermöglicht, die kettenartig entlang von Wasserläufen angelegt wurden.
Dies verleiht der Landschaft ihr charakteristisches Gepräge.

das milde Klima in der Nordwestschweiz und in Südwestdeutschland wird maßgeblich durch den Durchfluss
mediterraner Luft aus dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte (frz. Trouée de Belfort) bestimmt.
Zahlreiche Tiere und Pflanzen nutzen dieses Einfallstor auf dem Weg nach Norden. 

diese Weiher bilden das typische Aussehen dieser Landschaft im südlichsten Elsass ennet der Schweizergrenze
(hier mit Eleocharis palustris). Sie sind zahlreich (1500-2000), bedecken eine Fläche von gegen 1200 Hektaren
und schaffen damit eine riesige Fischereizone.



am spannendsten ist fast immer der Verlandungsbereich oder der
Schlammboden ganz abgelassener Weiher. Hier lässt sich z.B. ein
Teppich der Nadel-Sumpfbinse (Eleocharis acicularis) beobachten,
links überwachsen vom Sumpf-Hahnenfuss (Ranunculus flammula).


eine weitere Sumpfbinsen-Art:
die Ei-Sumpfbinse (Eleocharis ovata)


der Schild-Ehrenpreis (Veronica scutellata)
ist eine seltene Art wechselnasser Uferzonen






seinen Namen verdankt er der herzförmigen, stark abgeflachten Kapselfrucht



total unauffällig hingegen sind die kronenlosen
Blüten des Heusenkrauts (Ludwigia palustris).
Drei davon befinden sich oberhalb des Daumens.

ähnlich, aber mit nur drei Blütenblättern blüht
der Froschlöffel (Alisma lanceolatum)






die Wasser-Rebendolde (Oenanthe aquatica) ist in der Schweiz
vom Aussterben bedroht. Hier kommt sie noch recht
häufig vor. Ihre schönen Rosetten sind nicht zu übersehen.


sie wird auch Wasserfenchel genannt und
blüht bis in den September hinein.




der Strahlende Zweizahn (Bidens radiata), eine in der Schweiz
extrem selten anzutreffende Art, ist hier weit verbreitet


dieser exquisite Korbblütler ist tatsächlich von einer strahlenden Schönheit!


praktisch ausgestorben ist in der Schweiz
die hier massenhaft vorkommende
Böhmische Segge (Carex bohemica)

dasselbe gilt für den hier typischen
Strand-Ampfer (Rumex maritimus)




eine Flur mit Ocker-Fuchsschwanz (Alopecurus aequalis).
Die Art liebt feuchte Wiesen und zeitweise überschwemmte Böden.





seine Staubblätter sind zuerst gelbweiss,
dann ockerfarben



das bildschöne Braune Zypergras (Cyperus fuscus)





wieder strahlt mir der Zweizahn entgegen

auch bei uns häufig auf nassen Böden ist
der Wolfsfuss, auch Wolfstrapp genannt
(Lycopus europaeus), hier mit Bestäuber



ganz im Gegensatz zum Schlammkraut (Limosella aquatica),
für das es in der Schweiz kaum mehr rezente Nachweise gibt




das Schlammkraut hat winzige Blüten und.....

wächst in Gesellschaft anderer Pionierpflanzen.


solche Pionierarten besiedeln gerne extensiv bewirtschaftete Karpfenteiche, wenn diese im Frühling und Frühsommer überschwemmt bzw. angestaut sind und im Spätsommer und Herbst periodisch trockenfallen. Die Samen fallen auf den Untergrund und werden bei erneutem Hochwasser entweder verdriftet oder verbleiben am Boden.
In der nächstfolgenden sommerlichen Niedrigwasserphase keimen sie aus – oft gleich in Massen.




solche Pölsterchen des Dreimännigen Tännels (Elatine triandra)
sieht man überall. Hier hat sich ein Bestäuber draufgesetzt.

der Sumpf-Wasserstern (Callitriche palustris)
bildet auch solche Landformen aus




soviel Gift-Hahnenfuss (Ranunculus sceleratus)
habe ich noch nie gesehen


Blattrosette aus grundständigen Laubblättern
eines jungen Gift-Hahnenfusses


seine Blüten und die typischen
walzenförmigen Fruchtstände

ausgewachsenes Exemplar des Gift-Hahnenfusses,
dessen Vergiftungserscheinungen mittelschwere 
Verbrennungen und sogar den Tod nach sich ziehen können.

überall zu sehen ist hier auch
das Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum)

hier von oben und....

da ein freistehendes Exemplar von der Seite.





auch die Sumpf-Kresse (Rorippa palustris)
liebt nasse Böden

ihre leicht gekrümmten Schötchen
sind etwa gleich lang wie ihr Stiel



immer mal wieder trifft man in trockengefallenen Weihern
auf Schalen der Grossen Teichmuschel (Anodonta cygnea). 
Durch zunehmende Gewässerverschmutzung 
ist sie stark gefährdet und steht unter Naturschutz.

Polygonboden: hier erhält das Verb "Trockenfallen"
eine plastische Veranschaulichung


in einem anderen, fast ausgetrockneten Weiher finde ich diese Wassernüsse (Trapa natans).
Da es gegen den Herbst geht, sind ihre Blätter bereits rot verfärbt, später sterben sie ab.
sie sind umwachsen von einem selten Farn, dem Kleefarn (Marsilea quadrifolia),
der sich mit kriechenden Rhizomen ausbreitet


an den Blattstielen sind die Schwimmkörper
der Pflanze zu erkennen (Aerenchym)

holt man die Wassernuss an Land, lässt sich unter ihr Röcklein blicken:
wie man sieht, hat die Wasserbewohnerin am Stängel
fiederig verzweigte Wurzeln (oder sind das Unterwasserblätter?)





die namensgebenden Früchte der Wassernuss.
Es findet Schwimmausbreitung, aber auch Klettausbreitung
durch Wasservögel statt. Ein Fischer erzählte mir,
dass die im Französischen "châtaigne d'eau" genannte Frucht
gekocht auch gegessen werden könne.



der Kleefarn ist wirklich fast mit einer Kleeart zu verwechseln,
gehört in Wirklichkeit aber zu den blütenlosen Sporenpflanzen
auch der Wasserschlauch ist "trockengefallen"
(Utricularia australis cf.)

hier gibt's für beide immerhin noch etwas lebensspendendes Wasser,
sodass Marsilea am seichten Grund ganze "Kleefelder" ausbilden kann




der Nickende Zweizahn (Bidens cernua) wächst hier
heckenartig um einen Weiher herum

die dritte Bidens-Art, die ich "in Massen" fand:
der Dreiteilige Zweizahn (Bidens tripartita)
mit seinem roten Stängel

der Aestige Igelkolben (Sparganium erectum)
hat einen Blütenstand mit mehrköpfigen Zweigen
der Brenn-Hahnenfuss (Ranunculus flammula)
ist nach dem raschen Schmerz benannt, den die 
zerquetschten Laubblätter unter der Nase erzeugen


auf den Wiesen neben den Weihern wächst
die Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica) und...

das Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea).



schon fast invasiv gebärdet sich die Wasernuss hier, denn...


grosse Bestände haben von der Wasseroberfläche Besitz
ergriffen, aber schön anzusehen ist sie allemal!


schön anzusehen ist auch das seltene Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia)

hier in der Abendsonne inmitten von Wassernüssen und ....

da bereits fruchtend: auf dem Schlickboden liegen schon viele Samen.


Pfeilkraut im Bestand in typischem Habitat


hier blüht wieder der Wasserfenchel
(Oenanthe aquatica) und gedeiht ...




der seltene Pillenfarn (Pillularia globulifera),
den ich fast mit einer Binse verwechselt hätte.





das Fazit des Ganzen:
ruinierte Wanderschuhe!