Samstag, 25. April 2026

Et in Arcadia ego

Welch Naturparadies ist doch der Jura im April! Der Schnee hat den Narzissenfeldern Platz gemacht, die Bäume leuchten hellgrün auf, und auf den Kalkflühen beginnt es verhalten zu blühen.

Wer den Jura kennt, kennt auch seine Felsgebiete, welche als weithin leuchtende Kalkwände aus dem Waldkleid ragen oder als lichte Felsgrate die Höhen des Kettenjuras krönen. Bei näherer Erkundung erweisen sich Felszonen als vielgestaltig und äusserst artenreich. Da gibt es kompakte Felswände, Felsköpfe und Grate, felsige Abhänge, mergelige Steilhalden, Felsschutt in allen Abstufungen der Korngrösse - sowie mannigfache Übergänge zwischen diesen Bildungen. An den nordseitigen Felsabstürzen und Felsfüssen gibt es kühle Schattenzonen, welche floristisch mit den südexponierten Felspartien scharf kontrastieren. So kann der Beobachter beim Begehen schmaler Grate gelegentlich von ein und demselben Punkt aus Blicke in ganz verschiedene botanische Welten tun.

Und wenn dann als exquisite Rarität noch der Flaumige Seidelbast in nicht geringer Anzahl da und dort aus der Felsflur leuchtet und duftet, ist das bukolische Glück des Blumenwanderers vollkommen!


hinauf geht's dem Ziel entgegen


unterwegs leuchten mir
diese Günsel (Ajuga reptans) freundlich entgegen!
und auch diese da leuchtet am Wegrand,
doch irgendwie überirdisch:
Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus)

der Rote Holunder (Sambucus racemosa)
als filigranes Kunstwerk!
Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana)

auf der Nordseite des Hügelzugs ist der Waldboden zu meiner Freude
bedeckt mit einem Teppich von Fieder-Zahnwurzen (Cardamine heptaphyllos)!



nach der Art ist nach Oberdorfer sogar ein Lebensraum
benannt, das Dentario-heptaphylli-Fagetum!



auch diese Unscheinbare blüht schon: das Moschusblüemli (Adoxa moschatellina),
rechts mit einem Rostpilz-Befall (Puccinia adoxae)







bald schon befinde ich mich in der bukolischen Parklandschaft direkt oberhalb des steilen Grates




hier beginnt es zu blühen:
links Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula),
oben Mandel-Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides).





das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) oben
ist nicht kleiner als das "Stattliche" Knabenkraut links!




typischerweise sind bei den Knabenkräutern die Blütenknospen
 vor dem Aufblühen von den Laubblättern umhüllt



doch was leuchtet da rosa an der Abbruchkante?


es ist sozusagen der Star des Tages:
der Flaumige Seidelbast (Daphne cneorum)!
die sehr seltene und gefährdete Art
verströmt einen unglaublich guten Duft!

Scheiden-Kronwicke (Coronilla vaginalis)


Berg-Täschelkraut (Thlaspi montanum)






ich geniesse die Farbensymphonie hier oben
mit all den Arten, die oft nur kleine Nischen besetzen,
wo ihnen die Lebensbedingungen zusagen.



weiter geht's auf dem Gratwägli


vorbei an Frühlings-Enzianen (Gentiana verna).



auch auf sowas trifft man hier:
der historische Grenzstein von 1788 zeigt,
dass die Republik Bern bis an die Grenze
zu Frankreich reichte!



der Färber-Ginster (Genista ticntoria)
blüht noch lange nicht




bereits ist auch...
die Felsenbirne (Amelanchier ovalis) aufgeblüht.

was das wohl wird?
Ich tippe mal auf die Schwalbenwurz
(Vincetoxicum hirundinaria)



das ist eindeutiger:
Schopfiger Hufeisenklee (Hippocrepis comosa)



wie geniesse ich doch diese
Kalkfelsköpfe, erst recht, wenn...


unter ihnen wie hier auch der Flaumige Seidelbast
heraufleuchtet. Irgendwo muss man aber entscheiden:
 bis hier und nicht weiter fürs Fotografieren!




die attraktive Art wurde in der Vergangenheit leider oft
durch Ausgraben an den Rand des Aussterbens gebracht.


hier nehme ich das Picknick ein,
umgeben nur von Naturgeräuschen
und vom Nelkenduft des Fluerösli!


und bedenke den Spruch, den jemand hier oben
auf einer Steintafel hinterlassen hat

die zart-hellgrünen neuen Blättchen der Buchen
erstaunen mich jedes Jahr wieder, wie sie...
aus sich selbst heraus zu leuchten scheinen
und mit einem feinen, seidigen, silbernen Haarsaum
 am Blattrand überzogen sind, der sie vor späten
 Frösten und Austrocknung schützt.

Mehlbeerbaum (Sorbus aria)


nochmals verweile ich kurz im Gipfelbereich
und muss dann zurückkehren



Wiesen-Kreuzblume (Polygala vulgaris)


und direkt an der Felswand klebt
das Kugelschötchen (Kernera saxatilis)




Glatter Löwenzahn (Taraxacum laevigatum)


und auch das gibt's hier:
Immergrüner Bauernsenf (Iberis sempervirens)




die Wilde Birne (Pyrus pyraster) blüht





die Goldschlüsseli (Primula veris) blühen um die Wette


der Schluss gehört aber selbstverständlich dem zauberhaften Jurarösli!