Der schwedische Naturforscher Carl von Linné entdeckte das Moosglöckchen (Linnaea borealis) 1732 auf seiner berühmten Forschungsreise durch Lappland und war sofort davon fasziniert. Da es unüblich ist, Pflanzen nach sich selbst zu benennen, bat er seinen engen Freund und Gönner, den niederländischen Botaniker Jan Frederik Gronovius, die Namensgebung zu übernehmen. Gronovius widmete die Gattung Linnaea offiziell seinem Freund. Der Artname borealis bedeutet schlicht „nördlich“ und verweist auf das circumpolare Hauptverbreitungsgebiet der Pflanze.
Interessanterweise sah Linné in der kleinen, unaufdringlichen Pflanze eine Metapher für sein eigenes Leben! Er beschrieb sie mit den Worten: „... eine Pflanze in Lappland, niedrig, unbedeutend, missachtet, die nur kurze Zeit blüht – benannt nach Linnaeus, der ihr gleicht.“ Im unauffälligen Wuchs, der demütig-nickenden Blütenhaltung und im genügsamen Standort sah Linné offenbar eine Analogie zu seinem eigenen, anfangs einfachen Leben.
Auch wenn er das vielleicht mit einem Augenzwinkern schrieb, ist doch klar, dass das Moosglöckchen seine erklärte Lieblingspflanze war. Auf fast allen historischen Gemälden und Porträts hält er ein Exemplar des Moosglöckchens in der Hand. Als er 1757 vom schwedischen König in den Adelsstand erhoben wurde und den Namen Carl von Linné annahm, liess er das Moosglöckchen sogar als zentrales Element in sein offizielles Adelswappen integrieren!
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zuerst mache ich einen Abstecher in ein südliches Land: les Follatères bei Fully! |
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aber was wächst denn da völlig unauffällig auf einem der vielen Rebwege? |
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erst die Blüte macht klar: es handelt sich um den Burzeldorn (Tribulus terrestris) |
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auch er eine bescheidene Blume oder das, was man im Berndeutschen einen Bodesuri nennt. |
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die Nahaufnahme macht vollends klar, dass es sich um den Burzeldorn handelt mit den namensgebenden stachligen Früchten (Foto: Paul Hürlimann) |
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| auf den trockenen Wegen wächst auch dieses Gras... |
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und am Rande dieses Rebberges blüht es gar: das Klettengras (Tragus racemosus) |
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| und an einem Waldrand blüht gerade.... |
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| der Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum cristatum) |
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eher unerwartet stelle ich fest, dass an diesem warmen Ort auch die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) gedeiht
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häufig auch die Sprossende Felsennelke (Petrorhagia prolifera) |
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schon auffälliger dagegen die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) |
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| weiter geht die Fahrt.... |
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das Wallis hinauf auf abenteuerlichen Wegen ins Val d'Anniviers. Hier ist es angenehm kühl. Oben die schöne Meisterwurz (Peucedanum ostruthium).
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hier ist der schattige Lebensraum des Birngrüns (Orthilia secunda).... |
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| und des Wald-Storchschnabels (Geranium sylvaticum). |
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diese verdächtigen Blättchen könnten auf eine Waldorchidee hindeuten |
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sie finden sich ab und zu an dieser moosigen Böschung mit vielen Habichtskräutern |
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der Blumenwanderer scheint es heute mit den unauffälligen, bescheidenen Blumen zu haben |
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denn auch das Kleine Zweiblatt (Listera cordata) ist ein richtiger Bodensuri! |
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| der Keilblättrige Steinbrech (Saxifraga cuneifolia)... |
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| ist bereits abgeblüht. |
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schön diese rundlichen Blättchen sonder Zahl. Diesmal eher keine Waldorchideen.
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der Bach und die Höhe führen zu einem frischen Klima auch im Sommer. |
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wieder diese Blättchen, sie hängen an ihren Zweigen auch von einem Baumstrunk herab |
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hier kommt auch der Wald-Wachtelweizen (Melampyrum sylvaticum) vor |
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nun ist alles klar: die verdächtigen Blättchen gehören zum Moosglöckchen (Linnaea borealis)! |
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| Foto: Paul Hürlimann |
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wie geniesse ich diese leicht rosafarbenen, wohlriechenden Glöckchen, wobei ich den grossen Linné hier durchaus verstehen kann |
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| ohne Worte |