Es gibt Pflanzenarten, die Überbleibsel aus einer vergangenen Klimazeit an einem isolierten Standort sind. Sie stammen ursprünglich aus wärmeren Regionen (wie dem Mittelmeerraum) und breiteten sich postglazial in früheren Jahrtausenden unter anderen klimatischen Bedingungen weiter nach Norden aus.
Als es wieder kühler und feuchter wurde oder sich die Wälder schlossen, verschwand die Pflanze aus den meisten dazwischenliegenden Gebieten. Nur an extremen, kleinklimatisch begünstigten Standorten – zum Beispiel an sonnigen, trockenen Fels- oder Schutthalden – konnten sog. reliktische Vorkommen bis heute überdauern.
Ein solches Relikt, diesmal im Jura, ist die Mittlere Schleifenblume (Iberis intermedia), die es in der Schweiz nur an einem einzigen Extremstandort gibt. Nach ihr ist sogar eine eigene pflanzensoziologische Schutt- und Felsflur-Gesellschaft benannt, das Iberidetum intermediae. Dies und was der Blumenwanderer dort sonst noch antraf, zeigt dieser Beitrag.
| schon kommen die typischen Kalkflühe des Jura in Sicht |
| im Felsigen auch eine letzte Blüte der Felsen-Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis arenosa ssp. borbasii) |
| Wald-Bergminze (Calamintha menthifolia) |
| stellenweise sieht es hier zu meiner Überraschung auch aus wie in einem tropischen Regenwald |
| toller Ausblick auf die Jurawälder |
| das faszinierende Refugium kommt in Sicht |
| die gesuchte Art steht gerade in Vollblüte: die Mittlere Schleifenblume (Iberis intermedia) |
| sie trägt Spanien (Iberien) im Namen! |
| Iberis intermedia kann taxonomisch als Sammelsurium von (endemischen) Kleinarten aufgefasst werden, die vor allem in Frankreich verbreitet sind. |
| eigentlich könnte sie auch eine Zierblume sein! |
| die Pflanzen sind gut und tief im Schutt verankert, wie man an ihren kräftigen Stämmchen sieht. |
| und ihre typischen, am oberen Ende ausgerandeten und geflügelten Schötchen. |
| dass hier auch der wärmeliebende Hügel-Waldmeister (Asperula cynanchica) vorkommt, überrascht nicht, .... |
| schon eher überraschend ist, dass hier auch massenhaft Maiglöckchen vorkommen, die man sonst in Wäldern findet! |
| einzigartig für den Jura ist hier auch ein Vorkommnis der sonst in den Alpen verbreiteten Alpen-Klatschnelke (Silene vulgaris ssp. glareosa) |
| gefreut hat mich hier auch dieser Fund aus dem jurassischen Raritätenkabinett |
| es ist die Schmalblättrige Spornblume (Centranthus angustifolius) |
| die Art gilt in der Schweiz als stark gefährdet! |
| auch nicht gerade oft treffe ich diese wärmeliebende Art an: die Berg-Kronwicke (Coronilla coronata), hier leider schon verblüht |
| ihre Blätter sind auffallend blaugrün (glauk) gefärbt |
| da sie so speziell sind, hier nochmals die besprochen Arten! |
| nicht erwähnt wurde bisher diese Art, die hier voll in ihrem Element ist: der Berg-Gamander (Teucrium montanum). |
| die Graufilzige Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris ssp. columnae) ist längst verblüht |
| eine Totenkopfschwebefliege auf Sichelblättrigem Hasenohr (Bupleurum falcatum) |
| nochmals geniesse ich den Ausblick und kehre dann um, um das Refugium den nächsten hundert Jahren Einsamkeit zu überlassen. |
| der im Jura häufige Holz-Apfelbaum (Malus sylvestris)... |
| hat, wie der Name sagt, holzige, herbe, ungeniessbare Früchte. |
| den Abschied entboten mir diese beiden weissen Esel! |
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