und erst noch willkommene Abkühlung fand der Blumenwanderer kürzlich in der Schlucht eines Seitenbaches der Zulg; auch wenn er heute anders heisst, nennen wir ihn doch die "Kleine Zulg", wie das Richard Hopf tat, der 1967 folgenden Bericht über eines seiner Abenteuer veröffentlichte:
"Wo findet man heute noch ungetrübten Naturgenuss? Eine schöne Gegend nach der andern fällt dem Massentourismus und der Motorisierung zum Opfer. Kann man heute noch eine Bergtour unternehmen, ohne durch Flugzeuge aufgeschreckt zu werden? Kann man eine Wanderung machen, ohne sogar auf engsten Fusswegen durch Mopeds belästigt zu werden? .....Um so mehr schätzt es der wahre Naturfreund, sich in Gegenden bewegen zu können, die frei von diesen Störenfrieden sind. Ein solches Refugium ist das Gebiet der Kleinen Zulg. Hier findet er in den ausgedehnten Tannenwäldern, die ein grosses Gebiet von Gräben, Schluchten, Graten und Rippen wie ein Urwald bedecken, vollendeten Naturgenuss. Selbst der Flugzeuglärm ist hier gedämpft oder neben rauschenden Wassern überhaupt nicht zu hören. Auch muss hier niemand befürchten, in eine dicht gedrängte Menschenmenge hineinzugeraten. Es fehlen Sessellifte, Bergbahnen und Wirtschaften. Man muss aus eigener Kraft vorwärtskommen und unfreiwillige Fuss-oder sogar Vollbäder in Kauf nehmen.
Begeben wir uns also ins Gebiet der Kleinen Zulg! Wir erreichen es von Teuffenthal ob Thun aus. Eine Wanderung von zehn Minuten auf der kleinen Strasse nach Horrenbach bringt uns zur Brücke über die Kleine Zulg. Diese erhält ihr Wasser von vielen Bächen aus der Gegend der «Blume» und fliesst ziemlich genau nordwärts. Nach Aufnahme des Mettlen- und Pressernbaches, welche fast ebensoviel Wasser führen wie sie, erreicht die Kleine Zulg die Grosse unterhalb des Keistlisteges (Fusswegverbindung zwischen Schwarzenegg und Horrenbach) und verliert damit ihre Selbständigkeit."
Richard Hopf: Aus meinem Skizzenbuch - Im Gebiet der Kleinen Zulg ob Thun.
Aus: Die Alpen (SAC-Zeitschrift, 1967)
| unterwegs mache ich einen Abstecher zum Bergkirchlein Buchen, das 1928 vom Thuner Architekten Jacques Wipf erbaut wurde |
| es thront auf einer kleinen Hangterrasse direkt neben einer prächtigen, alten Linde hoch über dem Weiler Buchen |
| Blick hinüber auf den Buchholterberg, den Wohnort des Blumenwanderers |
| eindrückliches Muster am Stamm der grossen Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) |
| das Bergkirchlein ist eine äusserst beliebte Hochzeitskirche |
| weiter geht die Fahrt über diese Holzbrücke. Die Kleine Zulg ist hier erstaunlich breit |
| unterwegs sehe ich auch diese Orchideenart am Strassenrand: Fuchs' Gefleckte Fingerwurz (Dactylorhiza maculata ssp. fuchsii) und diese Blütenstände oben |
| zu meiner Überraschung steht hier der seltene Kies-Steinbrech (Saxifrag mutata) zahlreich in Vollblüte! |
| die tieforangen Blüten verraten die Art eindeutig |
| der Kies-Steinbrech liebt Nagelfluhwände in luftfeuchter, beschatteter Standortlage |
| seit jeher fühle ich mich zu dieser Art hingezogen! |
| hier wächst auch die Niedliche Glockenblume (Campanula cochleariifolia)... |
| und das Rundblättrige Wintergrün (Pyrola rotundifolia). |
| etwas abseits im Moos ist das Birngrün (Orthilia secunda) zu sehen |
| der Hain-Gilbweiderich (Lysimachia nemorum) mit seinen zurückgebogenen Fruchtstielen |
| unglücklicherweise fallen bald erste Regentropfen und braut sich ein Gewitter zusammen. Da der Regenradar verspricht, dass es bald weiterzeiht, wage ich dennoch den Abstieg in die Schlucht |
| bald schon stosse ich auf diese unscheinbaren Hexenkräutlein (Circaea alpina), die sich gerade anschicken zu erblühen! |
| auch das Grosse Hexenkraut (Circaea lutetiana) ist hier vertreten mit seine merkwürdigen Blüten, die zwei tief eingeschnittene, weisse Blütenblätter aufweisen |
| eine Waldlichtung voller Sumpf-Kratzdisteln (Cirsium palustre) |
| der Attich (Sambucus ebulus) könnte meinetwegen auch Stink-Holunder heissen! |
| erstmals sehe ich hinab in die Schlucht, die hier erstaunlich breit ist |
| Gemeines Fettblatt (Pinguicula vulgaris) |
| wir sind unübersehbar im Gebiet der "Gräben, Schluchten, Graten und Rippen", die von einem Urwald bedeckt sind |
| auch eine ganz spezielle Art hier ist das Gegenblättrige Milzkraut (Chrysosplenium oppositifolium) |
| wie könnte es anders sein: auch hier unten ist der ideale Lebensraum des Kies-Steinbrechs! Die Art findet sich meist nie weit weg vom Wasser. |
| die Pflanze stirbt nach dem Blühfest leider ab. |
| hier steht nicht zu befürchten, in eine dicht gedrängte Menschenmenge hineinzugeraten |
| und jeder Aussicht beraubt, bald auf eine Wirtschaft zu stossen, verzehre ich andächtig das mitgenommene Brot und etwas Käse |
| und im Pool dieses Engnisses gab's zum Abschluss noch im eiseskalten Flusswasser ein Vollbad, aber ein freiwilliges! |