Donnerstag, 3. Mai 2018

Genfer Orchideen

Der bekannte Thurgauer Libellenspezialist Manfred Hertzog hat viel erlebt. Und das Leben hat es mit dem ehemaligen Verdingbuben nicht immer gut gemeint. Doch die traurigen Momente als Kind, oder auch in späteren Jahren, wurden immer wieder von Insekten wie Libellen und Schmetterlingen aufgehellt. Und so wurde die Beobachtung der Natur, insbesondere der Insekten, zu seiner grossen Leidenschaft und zu einer Möglichkeit, Kraft und innere Ruhe zu finden.

Er hat nicht geweint, als die Mutter starb – und auch nicht, wenn bei der Fremdenlegion andere den Tod fanden. Warum das so war, weiß Manfred Hertzog nicht. Er weiß nur, dass die Eleganz und Feinheit der Libellen ihn immer wieder zu Tränen rühren. Er erfand dafür das Wort "Freudenstress".

Eine nochmalige Fahrt ins Grenzdorf Chancy im Kanton Genf liess auch den Blumenwanderer so etwas wie Freudenstress erleben. Denn wo sich Ende März die Wiesen graubraun präsentierten, grünt und blüht es nun zu Beginn des Monats Mai. Ziel dieser Fahrt war eigentlich das Affen-Knabenkraut, das im Kanton Genf besonders schön zu beobachten ist. Daneben fand er aber weitere zehn Orchideenarten blühend vor - im Freudenstress!


der typische Habitus des
Affen-Knabenkrauts (Orchis simia)

die Lippe dieser einheimischen Orchideenart
zeigt die Form eins Aeffchens!


schon weniger typisch ist diese Pflanze

hier scheint eine Hybridisierung mit
dem Helm-Knabenkraut vorzuliegen

Berg-Klee (Trifolium montanum) 


das bildschöne
Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea)

seine Lippe hat bandförmige Seitenlappen




das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) ....

wird hier von einem Insekt besucht.


das Kleine Knabenkraut ist sehr variabel
bezüglich seiner Blütenfärbung

ich sah alles von dunkelviolett
bis weiss!

unter diesem Traum-Baum ass ich zu Mittag.
Der Beginn der Apfelblüte zeigt an, dass wir im Vollfrühling angelangt sind.



auf der Wiese nebenan gefunden:
Oestlicher Wiesen-Bocksbart
(Tragopogon pratensis ssp. orientalis)


die Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
beginnt gerade zu erblühen


das Affen-Knabenkraut kann so
robust und stattlich werden, aber.....



auch so mickrige Pflänzlein mit nur wenigen Einzelblüten
und einer Höhe von etwa 15cm kommen vor!





die sehr seltene Spinnen-Ragwurz
(Ophrys sphegodes) wächst ....

neben dem sehr häufigen Grossen Zweiblatt
(Listera ovata)


auch die Fliegen-Ragwurz (Ophrys
insectifera) beginnt schon zu blühen

sie ahmt mit ihrer Lippe nicht Fliegen nach,
sondern eine bestimmte Grabwespen-Art

junges Blatt der Hirschwurz
(Peucedanum cervaria) und....



ihr vohrjähriges Blatt.





Gelbe Spargelerbse (Lotus maritimus)

Süsse Wolfsmilch (Euphorbia dulcis) von oben gesehen

Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia)


in einem Föhrenwald gefunden:
das Purpur-Knabenkraut ...

mit roten Börstchen auf der Lippe.



direkt am Strassenrand gefunden: stattliche Affen!


aufblühendes Gewöhnliches Labkraut
(Galium verum)

der Feind lauert schon auf der Knospe
des Affen-Knabenkrautes in Form
einer Krabbenspinne!


auch an einem zweiten Standort ...

fand sich die Spinnen-Ragwurz
(Ophrys sphegodes)


sie exisitert in zwei Unterarten, die ....

nicht leicht voneinander zu unterscheiden sind.

solche mageren Habitate lieben viele einheimischen Orchideen

das Kontrastprogramm findet sich gleich daneben:
ein Rapsfeld (Brassica napus) mit der Montagne du Vuache im Hintergrund

zurück im Naturreservat bei Chancy, wo nun alles
kreucht und fleucht, spriesst und keimt

zum Beispiel der Färberginster (Genista tinctoria)

die Gemeine Kugelblume (Globularia bisnagarica)

die Wiesen-Kreuzblume (Polygala vulgaris s.l.)


der stattlichste Affe, den ich sah

er dürfte mindestens hundert Einzelblüten haben!

Eingriffliger Weissdorn (Crataegus monogyna)




jetzt ist die Saison der Zypressen-Wolfsmilch
(Euphorbia cyparissias)

man glaubt es kaum, dass auch dies schlanke
Gewächs eine Zypressen-Wolfsmilch ist!
Sie wächst so, weil sie von einem Pilz befallen ist.




die Gelbe Resede (Reseda lutea)

das Grosse Immergrün (Vinca major)
war bei uns ursprünglich nicht heimisch


in einem feuchten Waldstück blühte gerade
die Hänge-Segge (Carex pendula)

wo sie blühte, erfüllte ein etwas
unangenehmes Odeur die Luft:
die Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris)


nochmals im Hintergrund der Hügelzug des Vuache mit dem markanten
Einschnitt des Défilé de l'Ecluse, beides schon zu Frankreich gehörig.


keine Orchidee, sondern
eine schöne Würgerart (Orobanche sp.)

das Affen-Knabenkraut gibt es auch
als weissen Wuschelkopf!


lauter Insekten kriechen diesen Stängel hoch.
So könnte man meinen, aber es sind ...

die Einzelblüten der Fliegen-Ragwurz
(Ophrys insectifera)

so etwas habe ich noch nie gesehen: insgesamt
zählte ich 14 Blüten an dieser Fliegen-Ragwurz
(inklusive abgeblühten und Knospen)


das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea)
wächst wie hier gerne an Waldrändern ....

und gehört zu den grössten
heimischen Knabenkräutern.


diese drei Blütenstände des
des Purpur-Knabenkrautes....

standen alle in unmittelbarer Nähe
im selben Biotop!

sie zeigen die grosse Variationsbreite dieser Art


schön, dass es hier eine weitere
Orchideenart gibt: ...

es ist die Brandorchis (Orchis ustulata).

unzählige Einzelblütchen sind bei ihr
in einer Aehre zusammengefasst

Rot-Klee (Trifolium pratense)



der Blumenwanderer liebt solche Salbeiwiesen über alles!





keine Welschlandfahrt
ohne Ohnsporn (Aceras anthropophorum)!

aus ersichtlichen Gründen wird er hier
"L'homme pendu" genannt






Kommentare:

  1. Das sieht ja unglaublich aus,welch ein Reichtum auf doch recht engem Raum, herzlichen Dank dafür ! Ich befürchte, dass ich auch dieses Mal deine Wanderung kopieren muss, man verzeihe mir...Ich wünsche eine gute Zeit mit Musse und Freude, herzlich grüsst susanne

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    1. kein Problem mit dem "Kopieren" ;-)
      der Kanton Genf ist tatsächlich botanisch einmalig, nicht nur was Orchideen angeht!
      Grüessli Kilian.

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  2. "Wer reist, sollte Botaniker sein, denn Pflanzen sind die grösste Zierde jeder Landschaft"... so wusste es Charles Darwin... und der Blütenwanderer bestätigt diese Weisheit mit seinen Beiträgen immer wieder als greifbare Wahrheit. Dieser Beitrag ist wieder mal sehr, sehr gut - gratuliere. Andreas Grau

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    1. besten Dank, Res! mit der Aussage von Darwin hast du den Nagel auf den Kopf getroffen!

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