Mittwoch, 26. Dezember 2018

Spätlese

Was bei den Weinen manchmal eine besondere Sammlung ausgewählter Tropfen ergibt, stellt auch der Blumenwanderer in Form einer Spätlese zusammen. Es sind ein paar Aufnahmen, die liegengeblieben sind und vielleicht noch einen geneigten Betrachter finden.
Ein merkwürdiges Gefühl, all die Aufnahmen des verflossenen Jahres nochmals zu sichten und zu wissen, dass die ganze Pracht längst verwelkt, verdorrt oder von Väterchen Frost in den verdienten Heilschlaf geschickt worden ist.
Mögen all die Samen, Knollen und Wurzeln einem neuen Frühling entgegenschlummern!






das Laub war noch nicht da, als diese schon blühte:
die Schuppenwurz (Lathraea squamaria)




der schöne Wurzelparasit verzichtet auf Blätter und.....

konzentriert sich ganz auf die Blütenbildung.

die Kander kurz vor der Mündung in den Thunersee,
wo die Schuppenwurz blühte


der Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis)
breitet seine Blütenteppiche im Vorfrühling aus....

ebenso wie die Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum cf.)





im Stocketäli stellenweise auch teppichbildend:
der Lerchensporn (Corydalis cava)





hier findet der einsame Wanderer im Vorfrühling
in einigen Winkeln auch den Gelbstern (Gagea lutea)




die Lerchensporne vor der Simmenfluh-Nordseite
mit dem Fliederhorn in der Mitte,
das am Ende des Beitrags zu Ehren kommt

Wald-Schlüsselblume (Primula elatior)



knospende Zweiblätter (Listera ovata)

soviel Bärlauch (Allium ursinum) auf einer Wiese sieht man nicht alle Tage

ebensowenig wie diese diese Günsel (Ajuga reptans)
in zwei Farben nebeneinander


Vielblütiges Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum)

keine Raupenzucht, sondern das Ergebnis der Weidenblüte


Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia)



das Christophskraut (Actaea spicata) gehört unglaublicherweise
zu den Hahnenfussgewächsen




der Keilblättrige Steinbrech (Saxifraga cuneifolia)....

oberhalb von Boltigen gesehen


und immer wieder grüssen die
schönen Orchideen....

wie hier die Braunrote Stendelwurz
(Epipactis atrorubens)






in dieser mystischen Gegend gibt es auch die
Grossblütige Bergminze (Calamintha grandiflora) ...

und den Türkenbund (Lilium martagon)....

sowie die Korallenwurz (Corallorhiza trifida)...




und die Alpen-Waldrebe (Clematis alpina)
im Fichtengeäst.





der Sommer hat in Sigriswil Einzug gehalten...

und mit ihm auch die Tarant-Blüte
(Swertia perennis)




so schön das Ganze ist, spielen sich in dieser Idylle bei näherem Hinsehen
auch Dramen ab: die Krabbenspinne hat eine Fliege erbeutet!





an derselben Stelle ist auch die unscheinbare Einorchis
(Herminium monorchis) nicht selten

diese Orchideenart verströmt einen feinen,
an Honig erinnernden Duft



dort sah ich erstmals auch eine reinweisse
Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris).
Links davon der Normalbürger.




in der Mitte des Beitrags der Höhepunkt
in Form einer hohen Blume im Hochsommer!


ein sagenhafter Bestand der Alpen-Kopfblume (Cephalaria alpina)
oberhalb von Jaun




ohne Worte








ich fühlte mich im Paradies

dort auch der Oesterreicher Haarstrang
(Peucedanum austriacum)...


und die Armblütige Gänsekresse (Fourraea alpina), ...

leider schon verblüht.



Russischer Bär auf Ross-Minze (Mentha longifolia)

auch die Behaarte Karde (Dipsacus pilosus)
ist das Ziel von Schmetterlingen
wer kann schon von sich sagen, er halte das Stockhorn zwischen den Fühlern?
Diese und die folgenden Aufnahmen entstanden auf der Thuner Allmend.


die zierliche Kleine Wolfsmilch (Euphorbia exigua)





da hat sich ein Kleiner durchgesetzt:
Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis)
versus Natterkopf (Echium vulgare)

sieht aus wie ein Bäumchen und ist doch winzig:
Kleines Leinkraut (Chaenorrhinum minus)


Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)...

mit Wendelähren (Spiranthes spiralis).

so haben unsere fernen Vorfahren, die Pfahlbauern,
den Niesen auch schon gesehen. Sie lebten nach
neueren Erkenntnissen auch am Thunersee.


eine spezielle Art der Königskerzen: ...

das Schabenkraut (Verbascum blattaria).


über dem Thunersee angetroffen:
das Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)...






und das Blut-Johanniskraut (Hypericum androsaemum).


An einem ganz anderen Ort gefielen mir ...


die vegetativen Formen dieser leider ...

noch nicht blühenden Durchwachsenen 
Bitterlinge (Blackstonia perfoliata).


diese Pflanze überraschte mich zwischen Thun und Bern:
es ist die Rapunzel-Resede (Reseda phyteuma), eine im Mittelmeerraum
verbreitete Art, die in der Schweiz sehr selten auftritt!



im Wallis blühten im Spätsommer
die Sprossenden Felsennelken (Petrorhagia prolifera)....




und auch schon die Goldastern (Aster linosyris).





nun ist im Wallis das satte Sommergrün
den Herbstfarben gewichen

grün geblieben ist indes die
Schweizer Lotwurz (Onosma helvetica)

diese seltenen Blumen mit dem grünen Kragen....

schauen lustig aus dem nassen Laub hervor.

weshalb mir die Kragenblumen (Carpesium cernuum)
 so gefallen, weiss ich eigentlich nicht genau zu sagen




der schöne Grannen-Schildfarn (Polystichum setiferum)
hat sich als mediterrane Art in der Schweiz nur ....

an einige warme Orte vorgewagt....

wie hier bei St-Gingolph am Genfersee.

die Moosorchis (Goodyera repens)...
in Vollblüte.

sie sieht man häufig im Aufstieg zum Fliederhorn
in der Simmenfluhgruppe


mit den Aufnahmen vom Fliederhorn aus
schliesst das Potpourri durch das Blumenjahr 2018






der Blumenwanderer wünscht allen .....

ein gesegnetes Neues Jahr 2019!






Dienstag, 4. Dezember 2018

am Col de Bretaye

Eines seiner "Blueschtfährtli" führte den Blumenwanderer auf den Col de Bretaye in den Waadtländer Voralpen. Dort befindet sich auch die Endstation der Bahn von Bex aus über Villars-sur-Ollon, sodass sich dieses Ausflugsziel ohne grosse Mühe erreichen lässt.

Doch nicht der idyllische Lac de Bretaye, auch nicht die Gelegenheit, ohne einen Schritt zu tun eine  liebliche Berglandschaft zu geniessen zogen den Blumenwanderer dort hinauf, auch war es nicht die Aussicht, mal so richtig Golf spielen zu können oder gar das Vorhaben, sich von einem der zahlreichen Skilifte dort noch etwas höher ziehen zu lassen....

Das Ziel war das Gelände eines längst aufgelassenen, verwilderten und vergessenen Alpengartens, von dem der Blumenwanderer einmal gelesen hatte. Nun musste er ihn aber zuerst suchen gehen, doch hat es sich gelohnt, denn einmal mehr bestätigte sich, dass Hochstaudenfluren zu den schönsten Lebensräumen der Alpen gehören!

Tourdatum: 26. Juli 2018



schon auf dem Anmarsch begegnete mir der Pyrenäen-Baldrian
(Valeriana pyrenaica), leider nur fruchtend. Er zeigt, dass sich
einige Arten aus dem Garten selbständig gemacht haben



als ich das fragliche Gelände schliesslich gefunden hatte,
stand ich schon wieder vor einem Rätsel
der schöne Korbblütler stellte sich
als ein Besucher aus Oesterreich heraus: 
Oesterreicher Gämswurz (Doronicum austriacum)

in dem Dickicht steigen auch einige Himmelsleitern
(Polemonium caeruleum) dem Himmel entgegen

wer entfaltet denn hier seine Knospen?


unweit davon stand die Lösung in Vollblüte:
Plumiers Milchlattich (Cicerbita plumieri)

gut konnte man hier den Unterschied zum nahe verwandten,
aber häufigen Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina) studieren

einzigartig waren auch die zahlreichen....
Breitblättrigen Glockenblumen (Campanula latifolia).



diese Stolze sah ein wenig aus wie ein ungemachtes Bett





doch die Grosse Telekie (Telekia speciosa)
 kann auch ganz anders!

die spektakuläre Hochstaude stammt aus Südosteuropa 



sie hier war das hauptsächliche Ziel des Ausflugs gewesen:
die Riesen-Kopfblume (Cephalaria gigantea).
Als Cephalarien-Liebhaber muss man das mal gesehen haben!
im Internet liest man dazu: "Eine auftrumpfende, durchaus Raum
beanspruchende Solitärstaude, die ihre großen, schwefelgelben Skabiosenblüten
spielend leicht, auf hohen, sparrig verzweigten Stielen himmelwärts reckt."
Der Satz gefällt mir.



das Ding wuchs hier durchaus nicht solitär, ...

was seine Wirkung aber nur erhöhte.

die Stängel dieser äusserst eleganten Pflanze aus dem Kaukasus-Gebiet
ragten über alle anderen Hochstauden und auch über mich hinaus


ihre Blüten sehen aus wie gelbe Riesenskabiosen ...

und sind eine unschlagbare Bienenweide.







unschlagbar ist auch der Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum).
Er wird auch Blaudistel genannt, ist in Wirklichkeit aber
ein Doldenblütler wie Karotte und Petersilie!


hier eine echte Distel, und zwar
die Wollköpfige Kratzdistel (Cirsium eriophorum)

sie wurde gerade von einer Holzbiene aufgesucht














unübersehbar auch dieser Neubürger aus Nordamerika:
die Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus)




neben einer Hütte fand sich diese stattliche
Staude der Steifen Wiesen-Schafgarbe
(Achillea stricta)

unter dem Dickicht hervor leuchtete geheimnisvoll
der Basken-Storchschnabel (Geranium endressii),
eine Gartenart





er hat interessant gefiederte Blätter, blühte aber leider noch nicht

hier zeigt sich der Kanada-Wiesenknopf
(Sanguisorba canadensis), der bei uns
sonst eine schöne Gartenstaude ist


auch diese schöne Flockenblumen-Art
ist hier vertreten

es ist die Federige Flockenblume
(Centaurea nervosa)


hinreissend war das Blau des gerade aufgeblühten
Rittersporns (Delphinium elatum)



der Lac de Bretaye im Zentrum des Skigebiets von Villars


an seinen Ufern wächst auch diese Spezialität:

das Blutauge (Potentilla palustris).


Golfmobile in Reih und Glied


fast ist man versucht, diesen hier als die
"Rache der Natur" anzusehen, denn
der starke Hautentzündungen auslösende ...

Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)
wuchs besonders reichlich in der Nähe des Golfgeländes.
Der prächtige Neophyt stammt aus dem Kaukasus.


den Abschiedsgruss entbietet aber mein "Liebling",
die Riesen-Kopfblume!