Wenn man z.B. in der "Flora von Mitteleuropa" von Hegi auf den Hinweis stösst, dass eine Pflanzenart "auf wüsten Plätzen" wachse, dann ist damit nicht gemeint, dass es eine Wüstenpflanze sei noch ist damit ein ästhetisches Urteil gefällt. Vielmehr meint er damit, dass es sich um eine sog. Ruderalpflanze handle oder umgangssprachlich schlicht ein Unkraut. Diese Arten sind damit jedoch nicht per se uninteressant, und man kann sich denken, dass der Blumenwanderer sie gerade deshalb äusserst spannend findet, denn diese Arten zeichnen sich durch verschiedene erstaunliche Überlebensstrategien aus:
- Pioniercharakter: Sie besiedeln oftmals als Erste nackten, gestörten oder frisch aufgeworfenen Boden.
- Hohe Anpassungsfähigkeit: Sie kommen mit extremen Bedingungen wie Hitze, Trockenheit, Bodenverdichtung oder starker Sonneneinstrahlung zurecht.
- Schnelle Vermehrung: Sie produzieren meist sehr viele Samen, die oft jahrelang im Boden überdauern können.
Der Blumenwanderer hegt sogar eine besondere Vorliebe und Bewunderung für solche Arten, und so ist es nicht erstaunlich, dass er sich entgegen seinen üblichen Vorlieben für wildromantische Orte doch immer mal wieder auch auf Schuttplätzen, Baulücken, Bahndämmen, Abbruchgeländen, Schutt-und Müllplätzen, ungepflegten Strassenrändern und Kreiseln, Brachflächen, Kiesgruben und Bahnanlagen herumtreibt. Und wenn man Glück hat, trifft man hier nicht nur auf Brennnesseln, Wegwarten und die üblichen "Studeren", sondern auch auf Spezielleres, so geschehen diesen Spätsommer in der Talebene des Mittelwallis.
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kann das sein, dass man im Wallis am Strassenrand Bärlapp findet? |
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der Blumenwanderer sollte es ja wirklich besser wissen: das ist doch das seltene Knorpelkraut, das zu einer ganz anderen Pflanzengruppe gehört! |
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die nähere Untersuchung ergibt, dass es nicht das Acker-Knorpelkraut ist, wie zuerst vermutet, sondern das ganz ähnliche Grosse Knorpelkraut (Polycnemum majus) |
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hier wird von einem unerwünschten Immigranten aus Fernost gewarnt |
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dies religiöse Tier hier ist aber unverdächtig, will sagen: ist keine Hierodula transcaucasica, sondern eine Gottesanbeterin (Mantis religiosa) |
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was wächst denn da Stachelichtes unter dem futuristischen Bogen? (Foto: Paul Hürlimann) |
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es ist das Kali-Salzkraut (Salsola tragus), eine ursprünglich in Osteuropa und Zentralasien heimische Steppenpflanze |
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| Massenvorkommen (rötliche Pflanzen) des Kali-Salzkrauts am Rottendamm (Foto: P. Hürlimann) |
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| seine weitgehend reifen geflügelten Früchte |
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die Art ist auch einer einer der bekanntesten Steppenläufer |
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hier ein weiteres Fuchsschwanzgewächs aus Asien: die Besen-Radmelde (Bassia scoparia) zwischen Strasse und Rebmauer |
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| und da ein so richtig ruderaler Ort mit einem stählernen Elefanten à la Tinguely |
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unter dem Rüssel wenig erstaunlich auch wieder das Kali-Salzkraut an masse....
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| aber da wächst noch anderes... |
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| wie z.B. die Graukresse (Berteroa incana) im Massenbestand. |
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| Szenenwechsel: eine Brachfläche bei Raron |
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hier wächst der formschöne Rote Gänsefuss (Chenopodium rubrum) |
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die Art ist in der übrigen Schweiz sehr selten und geschützt |
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hier auch der nicht gerade häufige Graugrüne Gänsefuss (Chenopodium glaucum) |
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auch nebenan auf einem Flurweg ist der Rote Gänsefuss vertreten (hier neben Chenopodium album), wenn auch als Kümmerform: die Art ist morphologisch sehr variabel und reagiert extrem sensibel auf Umweltreize wie Tageslänge, Lichtintensität und Nährstoffangebot |
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| wiederum ein toller Ruderalstandort! |
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es war sehr eindrücklich für mich, dass der Gestreifte Gänsefuss (Chenopodium strictum) hier quasi aus dem Asphalt heraus wächst und dennoch solch mannshohe Sträucher bildet |
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an anderer, aber nicht minder verkehrsreicher Stelle finden sich diese roten Sternchen, für die es aber gute Augen braucht: Kleines Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum) |
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dort sieht man auch gelbe Sternchen: Spätblühender Bitterling (Blackstonia acumiata) |
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nebenan auch Ruten-Knorpelsalat (Chondrilla juncea)... |
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| und Schwarznessel (Ballota nigra). |
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| wieder so ein lärmiger, staubiger Unort |
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| was will der Blumenwanderer hier denn wieder sehen? |
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es ist schon wieder ein Gänsefuss, den man leicht an seinem Fischgeruch bestimmen kann |
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Stinkender Gänsefuss (Chenopodium vulvaria), ein sehr seltener Vertreter seiner Zunft. |
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| daneben kaum mehr zu erkennen: |
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| Trauben-Gamandere (Teucrium botrys) |
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und zu guter Letzt gleich nochmals ein Gänsefuss, den man nicht oft sieht: |
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Feigenblättriger Gänsefuss (Chenopodium ficifolium). |
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