Freitag, 5. Juni 2015

das Gasterntal

Das Gasterntal oberhalb von Kandersteg weist auf kleinem Raum sowohl Kalkgestein, das aus den Ablagerungen eines einstigen Meeres entstanden ist, als auch kristallines Urgestein auf. Dieser unterschiedliche Bodenaufbau führte zu einer vielfältigen Flora.
Ausserdem ist das Gasterntal eine der letzten intakten dynamischen Auen, welche von der natürlich fliessenden, sich verzweigenden Kander gestaltet wird. Die Folge sind: karge Schotterflächen in den erst kürzlich überfluteten Bereichen, Flächen mit Pionierpflanzen, Kiesbänke, Tümpel, Altwasserarme und junge Wälder dort, wo längere Zeit kein Hochwasser vorbeikam. Zusätzlich strukturieren Lawinenzüge, Schuttkegel und Seitenbäche das Auengebiet, sodass zahlreiche Lebensräume für eine vielfältige Pflanzen-und Tierwelt entstanden sind.

Es lohnt sich, auch schon jetzt von Kandersteg aus durch die Kanderklus hochzusteigen, denn bereits jetzt findet man so manche blühende Kostbarkeit, darunter auch Raritäten wie die Alpenwaldrebe und den Frauenschuh.


die dynamische Schwemmebene der jungen Kander,
umgeben von......
der schroffen Bergwelt des Gasterntales

 Mehl-Primel (Primula farinosa)

das Alpen-Fettblatt (Pinguicula alpina) fängt mit dem
Sekret seiner Blätter Insekten, die es verdauen kann!



Keilblättriger Steinbrech (Saxifraga cuneifolia)

Leberbalsam (Erinus alpinus)




die Alpen-Waldrebe (Clematis alpina)...

wächst lianenartig die Bäume hoch!
Sie ist die farbige Verwandte unserer auch
"Niele" genannten Gemeinen Waldrebe (Clematis vitalba)

Sie kommt im Berner Oberland sehr selten vor...

und auch im Gasterntal fand sie der Blumenwanderer
nur an ganz wenigen Stellen.


Auch die folgenden drei, etwas heimlich wachsenden, kleinwüchsigen und deshalb gerne übersehenen Orchideenarten fand der Blumenwanderer. Sie sind typische Vertreter des subalpinen Fichtenwaldes und zeigen an, dass der Boden sauer ist:


blüht noch lange nicht und nur dank des
letztjährigen Fruchtstandes gefunden:
die Moosorchis (Goodyera repens)

die Korallenwurz (Corallorhiza trifida)
im Knospenstadium

blüht unscheinbar:
das Kleine Zweiblatt (Listera cordata)


Nur dank des Hinweises eines einheimischen Bauernpaares fand der Blumenwanderer auch einen individuenreichen Standort des Frauenschuhs (Cypripedium calceolus), wo auf einer Fläche von etwa 10 auf 10 Meter an die 200 Blüten zu bewundern waren. 
Erstmals begriff der Blumenwanderer auch die ausgeklügelte Bestäubunsstrategie dieser Blume: die Biene wird von der zum Kessel umgestalteten, auffälligen gelben Lippe angelockt, weil sie dort Nektar vermutet - und fällt hinein. Die glatten Innenwände verhindern, dass sie durch dieselbe Oeffnung wieder entweicht. Beim genauen Hinschauen deutlich sichtbare helle Flecken (die Fenster) im hinteren Teil des Kessels signalisieren der Biene den Notausgang. Wenn sie sich dorthin begibt, hilft ihr sogar eine Treppe aus Haaren beim Aufstieg zum Ausflugsloch ganz hinten. Beim Rauskrabbeln schliesslich findet die Bestäubung statt und das Insekt nimmt gleich noch Blütenstaub für die nächste Bestäubung mit!



So präsentiert sich der Frauenschuh,
wenn er noch nicht aufgeblüht ist

ein überwältigender Anblick bot sich dem Blumenwanderer,
als er einen unscheinbaren Trampelpfand hochstieg




























die Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium)

blüht erst in einem Monat, ist aber jetzt schon beeindruckend:
der Türkenbund (Lilium martagon)




die Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) ist keine
Nelke, sondern ein Rosengewächs

ein Blick zurück beim Abstieg durch die Klus:
die Kander ist von einem abendlichen Gewitter angeschwollen,
wie es in den Bergen oft vorkommt.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen