Samstag, 15. Juli 2017

durchs Vallon des Morteys

Das Vallon des Morteys ist durch die Vielfalt seiner Vegetation, von der trockenwarmen Wiese am Taleingang zu den echten alpinen Pflanzengesellschaften, eine Kostbarkeit der freiburgischen Voralpen. Die südlichen und die arktisch-alpinen Florenelemente treffen sich und verleihen dieser Talmulde ihren eigenen Reiz, der vom Naturfreund ebenso wie vom erfahrenen Botaniker geschätzt wird.
Während der letzten Eiszeit blieben die Höhen des Vanil noir eisfrei. So konnten hier viele Pflanzenarten überleben, welche heute zum ausserordentlichen botanischen Reichtum des Vallon des Morteys beitragen, das sich vom Vanil noir aus gegen Nordosten erstreckt.


auf der Anfahrt im Simmental besucht:
die Grossblütige Bergminze (Calamintha grandiflora)


die aromatische Art ist
eine Spezialität des Simmentals

eine Schwebfliege verlässt hier gerade die Nektarquelle.
Von ihr unbemerkt ist auf ihrem Rücken deutlich sichtbar
Blütenstaub liegen geblieben


die Alpen-Betonie (Stachys pradica).....



ist schon von weitem sichtbar mit ihren dichtblütigen Schein-Aehren.
Sie ist eine nahe Verwandte des verbreiteten Heilziests.




der Laserkraut-Würger (Orobanche
laserpitii-sileris) inmitten seines Wirts

eine schöne Ueberraschung war
der Berg-Drachenkopf (Dracocephalum ruyschiana)


Hahnenfuss-Hasenohr
(Bupleurum ranunculoides)

den Drachenkopf trifft man nicht gerade
auf jeder Wanderung an

beim Oesterreicher Haarstrang (Peucedanum austriacum)
tanzen einige Blütchen aus der Reihe


nach dem Abblühen sind die zottig behaarten
Kelchzähne des Purpurklees (Trifolium rubens)
umso deutlicher sichtbar.

vor dem Aufrechten Ziest (Stachys recta)
drängt sich eine Kleine Sterndolde
(Astrantia minor) in den Vordergrund 

eine Trias voller Schönheit:
Alpen-Betonie, Grosse Sterndolde, Grossköpfige Färber-Scharte


Grossköpfige Färber-Scharte
(Serratula tinctoria ssp. monticola)
kurz vor dem Aufblühen

Aehriger Ehrenpreis (Pseudolysimachion spicatum)


die Süssdolde (Myrrhis odorata) riecht
unverkennbar nach Anis und Lakritze


sie ist in den Hochstauden der Morteys sehr verbreitet






der Eingang zum Vallon des Morteys.
Botanisch interessant ist vor allem die orographisch 
linke Talseite, wo sich sonnenexponierte blumenreiche
Bergwiesen bis zum Dent de Brenleire (Bildmitte) erstrecken


Rautenblättrige Glockenblume
(Campanula rhomboidalis)

die violett drüsenhaarige Knospentraube
des Alpen-Milchlattichs (Cicerbita alpina)
hebt sich klar von der kahlen Rispe von
Plumiers Milchlattich im vorigen Beitrag ab!




Grossblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla)

die Wollköpfige Kratzdistel (Cirsium eriophorum)
wird auch Mönchskrone genannt

der Alpen-Kreuzdorn (Rhamnus alpina)
trägt Beeren.
von einer schon fast pompösen Schönheit ist
die Pracht-Nelke (Dianthus superbus)

vermutlich eine Schwebfliege sucht nach Nektar
auf einer Kugelorchis (Traunsteinera globosa).
Pech nur, dass diese Art zu den Nektartäuschblumen
gehört und also gar keinen Nektar produziert,
sondern Wittwenblumen und Skabiosen imitiert,
um die Insekten hereinzulegen und dennoch
bestäubt zu werden.



Es gibt zahlreiche sehr ähnliche Perlmutterfalterarten, die schwer zu unterscheiden sind, wobei meistens die Betrachtung
der Flügelunterseiten erforderlich ist.
Ich kann daher nur vermuten, dass es sich hier um den
Braunfleckigen Permutterfalter (Boloria selene cf.) handelt.





der Alpen-Lein (Linum alpinum) mal ganz gross

ein Blick zurück talabwärts: im Hintergrund
die Gastlosen mit Dent de Ruth.


das schöne Orangerote Greiskraut
(Tephroseris capitata) ist bereits leicht am Abblühen

es ist nicht zu verwechseln mit dem ebenso
eindrücklichen, jedoch viel verbreiteteren
Gämswurz-Greiskraut (Senecio doronicum)





zuhinterst im Talkessel liegt noch der letzte Schnee
oberhalb der Kalkschutt-Kegel des Vanil Noir.








auch wenn man's nicht glaubt: dies ist
eine Glockenblume: Campanula thyrsoides

hier ist auch das Habitat
der Grossköpfigen Gämswurz (Doronicum grandiflorum)

auch oberhalb der Baumgrenze gibt es "Bäume",
z.B. die Stumpfblättrige Weide (Salix retusa).
Hier die Weibchen....

und da die (abgeblühten) Männchen
dieser wie alle Weiden zweihäusigen Art.












Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris)


in den Hochstauden findet man einen der
auffälligsten "Blaublüter" in unserer Pflanzenwelt,
den Rittersporn (Delphinium elatum)


Waldweide (!)


im Wald wächst in den Hochstauden
auch der Alpen-Schuppenkopf
(Cephalaria alpina)

seine gelben Blüten sind noch nicht geöffnet.
Im Grunde ist er nichts anderes als
eine grosse gelbe Alpen-Skabiose

die gefiederte Blattspreite hat nicht eine geflügelte Spindel (Rhachis alata) wie man meinen könnte,
sondern sie ist botanisch korrekt ausgedrückt herablaufend gefiedert (decurrenti-pinnatum)





die kugeligen Blütenköpfchen sind fraktal aufgebaut......

und interessant angeordnet.





Samstag, 1. Juli 2017

In den Boltigerbergen

Im "Pflanzenleben der Schweiz" hat Hermann Christ den Reichtum der Boltigerberge an Wärme und Trockenheit liebenden Arten auf Einstrahlungen von Osten, vom Föhngebiet des Thuner- und Brienzersees her, zurückgeführt. 1926 berichtigte Prof. Werner Lüdi diese Auffassung, indem er fand, der Reichtum der Boltigerberge beruhe auf Einwanderung der Xerothermen von Südwesten, vom oberen Genfersee her. Nach Lüdi wurde auch das Seegebiet von dieser aus Südwesten kommenden Einwanderung bereichert.
Und so fand der Blumenwanderer denn auch so manche ausgesprochen thermophile Art oberhalb der Boltiger Chlus wie z.B. den Blauen Lattich, den Blutroten Storchschnabel, den Kugelköpfigen Lauch und den Purpurklee, aber auch sonst eine grosse Fülle interessanter Arten.



Aussicht von der Chlusalp aus auf die Rockschwarteflue,
rechts das Chlushore

in der Bildmitte der Aufstieg zum Walop,
der mit einer Materialseilbahn überbrückt wird

auf einem Kalkfelsen wächst
das Vielgestaltige Berufkraut (Erigeron glabratus)




der Berg-Gamander (Teucrium montanum)
liebt ebenfalls den Kalk, aus dem
die Boltigerberge bestehen






Berg-Laserkraut (Laserpitium siler)



der seltene Purpur-Klee (Trifolium rubens)...

hier mit Moris' Habichtskraut (Hieracium pilosum)


Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon)

Aehriger Ehrenpreis (Pseudolysimachion spicatum)

ein Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
 nascht am Purpur-Klee

die Verschiedenblättrige Platterbse
(Lathyrus heterophyllus) wächst massenhaft
oberhalb der Chlus



der Blaue Lattich (Lactuca perennis) ist im Kanton Bern 
von hier aus bis an den Thunersee vorgedrungen




Blassvioletter Braun-Storchschnabel
(Geranium phaeum var. lividum)







Dickblättriger Mauerpfeffer (Sedum dasyphyllum) 

Oesterreicher Haarstrang (Peucedanum austriacum)

gerade öffnen sich die erste Blütchen des
Halbstrauchigen Ehrenpreises (Veronica fruticulosa), .....

welcher als solches Sträuchlein im Kalkschotter wächst.

Astlose Graslilie (Anthericum liliago)


Aussicht von oben auf die Chlusalp






Blick aufs obere Simmental mit der Spillgerten in der Bildmitte

die seltene dunkelpurpurne Tanay-Spitzorchis
(Anacamptis pyramidalis var. tanayensis)



Doldenblüten sind oftmals ein Tummelplatz für Insekten






die Alpen-Goldrute
(Solidago virgaurea ssp. minuta)

der Türkenbund (Lilium martagon)


diese Brandorchis (Orchis ustulata)
blüht und fruchtet zugleich

Zottiges Habichtskraut (Hieracium villosum)




der Walop-See

Kugelorchis (Traunsteinera globosa)


Hohlzunge (Coeloglossum viride)

der Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta).
Der lateinische Artname "bistorta" (zweimal
gewunden) bezieht sich auf das
schlangenförmig gebogene Rhizom




Alpen-Wachsblume (Cerinthe glabra)

die stängelumfassenden Blätter dieses Borretsch-
gewächses haben einen bläulichen Wachsüberzug

in der Hochstaudenflur am Walop-See
gedeiht auch....

die Grossblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla)

Etwas Besonderes für den Kanton Bern ist....



Plumiers Milchlattich (Cicerbita plumieri). Diese Art ist im Gegensatz
zum verbreiteten Alpen-Milchlattich ganz kahl. Die Basis der
vielzipfligen Blätter ist breit und abgerundet.


die Köpfchen dieses Korbblütlers befinden sich
in einer lockeren, doldigen Rispe und nicht
in einer Traube wie beim Alpen-Milchlattich
hier startet eine Dach-Hauswurz (Sempervivum
tectorum) bis zur Blüte durch




die Flüeblüemli (Primula auricula) lieben die Kalkfelsen
wie sonst keine. Die dicken, wachsüberzogenen Blätter
dienen der Wasserspeicherung.
auf der kargen Unterlage wird der
Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)
nur ganz kurz
hier macht sich eine Wollköpfige Kratzdistel (Cirsium eriophorum)
ans Blühen. Als hapaxanthe Art wird sie danach vollständig absterben.

Ausklang