Freitag, 13. April 2018

im Frühlingsanfang

Begleitet wird dieser Beitrag von einem bekannten Mozart-Lied (K. 597), das zu hören ist,
wenn man auf den Titel klickt (Solistin: Elisabeth Schwarzkopf, Piano: Walter Gieseking)
Die Aufnahmen entstanden in der weiteren Umgebung von Thun.



(von Christoph Christian Sturm)

Erwacht zum neuen Leben
Steht vor mir die Natur,
Und sanfte Lüfte wehen
Durch die verjüngte Flur!
Empor aus seiner Hülle
Drängt sich der junge Halm;
Der Wälder öde Stille
Belebt der Vögel Psalm.




wie jedes Jahr steht "die Flur im Blumenkleide"

Märzenglöckchen (Leucojeum vernum) ...

und Gelbsterne (Gagea lutea)

Die Flur im Blumenkleide
Ist, Schöpfer, dein Altar,
Und Opfer reiner Freude
Weiht dir das junge Jahr;
Es bringt die ersten Düfte
Der blauen Veilchen dir,
Und schwebend durch die Lüfte
Lobsingt die Lerche dir.


den Gelbstern möchte der Blumenwanderer 
gerne Goldstern nennen


so wird er im bekannten Buch von Otto Wilhelm Thomé genannt
(Flora von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz, 1885)







wer hätte gedacht, dass wir eine violett blühende,
einheimische Baumart haben! Vielleicht nicht so spektakulär
wie die Magnolie und vielleicht bald auch nicht mehr einheimisch:
es ist die Esche (Fraxinus excelsior)

Schon blühen wieder die Magnolien: sie gehören zu den ältesten Blütenpflanzen! Ihre Entstehung reicht über 100 Millionen Jahre bis in die Zeit der Dinosaurier zurück. Im Tertiär (vor 70 bis 2 Mio. Jahren) besiedelten die Magnoliengewächse die gesamte nördliche Halbkugel. Im mitteleuropäischen Raum starben sie in den Eiszeiten aus.
zuhause öffneten sich die violetten Staubblätter der Esche
und entliessen ihren gelben Blütenstaub


Ich schau' ihr nach und schwinge
Voll Dank mich auf zu dir,
Dem Schöpfer aller Dinge,
Gesegnet seist du mir!
Weit über sie erhoben,
Kann ich der Fluren Pracht
Empfinden, kann dich loben,
Der du den Lenz gemacht.




das Leberblümchen hat nicht umsonst
den Artnamen nobilis (Hepatica nobilis)

es ist jetzt die edle Zierde der Laubwaldböden


die Salweide (Salix caprea)....

ist zu dieser frühen Jahreszeit eine wichtige Bienenweide.

O Vater, deine Milde
Fühlt Berg und Tal und Au,
Es grünen die Gefilde,
Beperlt vom Morgentau;
Der Blumenweid' entgegen
Blökt schon die Herd' im Tal,
Und in dem Staube regen
Sich Würmer ohne Zahl.

hier "grünen die Gefilde,
beperlt vom Morgentau".


Welch ein Kontrast: direkt neben der vielbefahrenen Autobahn A6
findet sich diese kleine Aue wie aus den Anfängen der Zeit


sie ist über und über mit
Buschwindröschen (Anemone nemorosa)  und ....

Scharbockskraut (Ranunculus ficaria) bewachsen.

auch die Schlehe (Prunus spinosa) fängt mit der Blüte an



Glänzt von der blauen Feste
Die Sonn' auf unsre Flur,
So weiht zum Schöpfungsfeste
Sich jede Kreatur,
Und alle Blätter dringen
Aus ihrem Keim hervor,
Und alle Vögel schwingen
Sich aus dem Schlaf empor.



sogar an den ödesten Stellen grünt und blüht es:
der Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites)

das Mauer-Felsenblümchen (Draba muralis)

Beide gefunden im Geleiseschotter des Thuner Bahnhofs, ebenso wie.....
das Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides),
das ich sonst nur vom Wallis her kenne.



Lobsing ihm, meine Seele,
Dem Gott, der Freuden schafft!
Lobsing ihm und erzähle
Die Werke seiner Kraft!
Hier von dem Blütenhügel
Bis zu der Sterne Bahn
Steig' auf der Andacht Flügel
Dein Loblied himmelan!


der "Blütenhügel" von Amsoldingen
ist voller Osterglocken  (Narcissus pseudonarcissus)

sieht aus wie die grazilere Variante
der Osterglocke: der Wald-Gelbstern.



um diese Zeit sind die Bienen für jede Nektarquelle "dankbar",
die sie erreichen können - und die Gelbsterne sind "froh",
dass ihre Bestäuber schon aktiv sind!




der Wald-Gelbstern wird für einmal
seinem Namen gerecht,
indem er hier in einem Wald wächst



Wald-Gelbsterne wachsen oft unter Bäumen
und entlang von Hecken






die ersten Goldwindröschen (Anemone ranunculoides)
strecken ihre Blüten der Sonne entgegen.

Lerchensporne zusammen mit Gelbsternen

in einer Hecke blüht still und unscheinbar
das Bisamkraut (Adoxa moschatellina)

der Lerchensporn (Corydalis cava) bildet jetzt ganze Blumenteppiche.
Die im Hintergrund blühende Forsythie zeigt an,
dass wir im Erstfrühling angelangt sind, während
auf der Stockhornkette dahinter noch tiefer Winter herrscht.









Kommentare:

  1. Aha! Goldwindröschen heissen die also. Hab sie vor einigen Tagen an der Ergolz auch entdeckt und muss sie nun nicht mehr nachschlagen.

    Vielen Dank aus Basel
    Andrea

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    1. liebe Andrea,
      man nennt sie auch gelbe Windröschen. Sie sind seltener anzutreffen als die weissen Buschwindröschen, die jetzt überall zu sehen sind.
      liebe Grüsse von
      Kilian.

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