Sonntag, 19. Juni 2016

Juraweiden

Beim Durchlesen historischer Berichte erscheint es immer wieder erstaunlich, wie heute sehr selten oder nur vereinzelt auftretende Blütenpflanzen früher viel häufiger waren. Gestützt auf Angaben bei Haller (1768) kann man z.B. feststellen, dass heute aus der Umgebung von Bern praktisch verschwundene Orchideenarten damals weit verbreitet vorkamen. So erwähnt er
  • Orchis militaris "Bernae etiam potissimum" (am ehesten in Bern) an der Gr. Schanze & unten am Sandrain
  • Orchis ustulata "Bernae etiam potissimum" 
  • Ophrys muscifera (Synonym: O. insectifera): Bern in der Enge 
  • Herminium monorchis bei Bern häufig auf der Gr. Schanze
  • Spiranthes aestivalis "prope Bernam abunde" (reichlich nahe Bern)
  • Ophrys fuciflora (Synonym: O. holosericea) "Bernae vulgatissima" (sehr verbreitet in Bern) in der Enge, Bodenacker...
Wer sich mit einheimischen Orchideen etwas auskennt, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Der Arzt und Botaniker Albrecht von Haller (1708-1777) muss in seiner Heimatstadt Bern also in einem botanischen Eldorado gelebt und gewirkt haben....
Immerhin haben viele der ehemals weit verbreiteten Arten in höheren Lagen eine Zuflucht gefunden. So ist es schön, dass man auch heute noch einen Eindruck von Hallers Landschaften bekommen kann, z.B. im Jura bei Undervelier, wo man an bestimmten Stellen den Orchideen und anderen Schönheiten auf Schritt und Tritt begegnet.



ist weniger augenfällig als es
Nahaufnahmen mitunter vermuten lassen.
die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera).....





braucht kalkhaltige Böden.
die omnipräsente Spitzorchis
(Anacamptis pyramidalis) ....




der Natterkopf (Echium vulgare)



das Grünliche Breitkölbchen (Platanthera
chlorantha) kommt erstaunlicherweise
auch auf den Magerwiesen vor



Langspornige Handwurz (Gymnadenia conopsea)
beim Aufblühen

erstmals gesichtet: die Weisse Brunelle (Prunella laciniata)
im Vergleich  dazu die weit verbreitete
Kleine Brunelle (Prunella vulgaris)
Sie ist eine ursprünglich mediterrane Art
und wächst auf trockenen Magerwiesen.


Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

der Tauben-Storchschnabel (Geranium columbinum)
mit seinen fiederspaltigen Blattspreiten



die schon fast barocke Ueppigkeit 
des Blütenstandes von Anacamptis
die Lippe ihrer Einzelblüten ist deutlich dreigeteilt.






Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)
das Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)
hat als Zistrosengewächs
zerknittert wirkende Kronblätter






vivat, crescat, floreat!





noch nie fand der Blumenwanderer
Bienen-Ragwurze (oben) und Hummel-Ragwurze (rechts) 
zugleich blühend auf derselben Matte!
Ophrys holosericea



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