Samstag, 23. März 2019

die Kuhschelle

Wenn die meisten Pflanzen praktisch noch im Winterschlaf verharren, zeigen sich auf wenigen Magerwiesen z.B. im Aargauer Jura eng an den Boden geschmiegte, violette Pelzdinger zwischen den braunen Pflanzenresten des Vorjahres. Es handelt sich dabei um die Gemeine Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris). 
Diese ursprüngliche Steppenpflanze hat sich nach dem Rückzug der Gletscher unter noch trockenen, aber zunehmend wärmeren Klimabedingungen bei uns wohl gefühlt. Im Laufe der Jahrtausende haben wechselnde Landnutzungen, neue Bewirtschaftungstechniken und klimatische Veränderungen die Lebensbedingungen für diese Art in Mitteleuropa erschwert. Heute gilt sie in der Schweiz als stark gefährdet. Sie kommt nur noch an wenigen Stellen vor und gilt als Relikt aus früheren Zeiten.


hier ist gut der Unterschied zwischen der Fettwiese im Talgrund
und der Magerwiese zu sehen.
Fast ist man versucht zu frotzeln: unten nix, oben fix

so sehen momentan die Juraweiden aus

Rot-Buche (Fagus sylvatica) u.v.a.m.


ein Zitronenfalter hat die ersten Veilchen entdeckt!

Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

kein Bärlauch,
sondern (giftige!) Herbst-Zeitlosen (Colchicum autumnale)

die Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris)....

hat es so eilig, dass sie fast ihre Blätter zu vergessen scheint.
Diese kommen erst, wenn die Blütentriebe schon am Verblühen sind. 




Die Kuhschelle nutzt Licht und Wärme, bevor die anderen
Wiesenpflanzen erwachen und ihnen den Platz streitig machen könnten


sie hier zeigt, wie man auch ohne viel Farbe auffallen kann:
Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus)


Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides)





so unterschiedlich blühen Gehölze:
Kornelkirsche (Cornus mas) und .....

Schwarzkätzchen-Weide
(Salix gracilistyla var. melanostachys)




Die Kuhschellen haben ihren oberirdischen Blüh- und
Wachstumszyklus abgeschlossen, 
wenn die Gräser und anderen Kräuter austreiben

 dies gelingt ihnen nur, weil sie ausschliesslich 
in mikroklimatisch günstigen, warmen Lagen 
und auf mageren Böden wachsen


schöner könnte das Berg-Täschelkraut (Thlaspi montanum) nicht blühen!

diese Feldgrille sonnte sich neben einer Buchecker.
Deutlich zu sehen ist auch die rote Schenkel-Innenseite dieses Männchens.


 Die günstigen Wasservorräte,  ... 

wie sie im Frühjahr in den eurasischen Steppen herrschen,
dem Ursprungsgebiet der Pulsatillen-Gattung,
haben diese Pflanzen ebenfalls zu „Frühaufstehern“ erzogen






das attraktive Aussehen und das frühe Blühen
wurde diesen Pflanzen zuweilen zum Verhängnis

denn an gewissen Orten begnügten sich die Leute nicht, sie auf Frühlingsspaziergängen zu geniessen, sondern haben sie häufig
gleich auch noch ausgegraben und in ihren Garten verpflanzt,
wo sie dann eingegangen sind




ich beobachtete, wie diese Biene mehrmals von der Blüte abflog
und dann in Ermangelung eines Besseren wieder zurückkehrte,
um sich in den Staubblättern zu "suhlen"

ein Veilchen-Strauss und ....

ein Trockenblumen-Sträusschen von
Gewöhnlichen Golddisteln (Carlina vulgaris)

die Niedrige Segge (Carex humilis) ist wirklich noch niedrig

die Grösse dieser Blumen täuscht. Sie befinden sich im Millimeterbereich:
Lenzblümchen (Erophila verna) 

fast surreal wirkte dieser von Sonnenwend-Wolfsmilch
(Euphorbia helioscopia) übersäte Hang

derweil bescheiden am Wegrand
die Acker-Taubnesseln (Lamium purpureum) grüssten

das Gegenlicht offenbart die starke Behaarung
dieser bereits abgeblühten Pulsatillen





auch die ersten Goldschlüsseli (Primula veris) sind schon da!


Klartext





Donnerstag, 14. März 2019

Persephones Rückkehr

Nach dem bekannten griechischen Mythos musste Persephone nur einen Drittel des Jahres bei ihrem Gatten Hades in der Unterwelt leben, bevor sie für acht Monate zu ihrer Mutter Demeter auf die Erde zurückkehren durfte. Demeter gab der Erde ihre Fruchtbarkeit zurück, doch ihre Trauer taucht immer wieder auf, wenn ihre Tochter bei Hades in der Unterwelt weilt. Dann stirbt das Getreide auf dem Feld und die Blumen verdorren. Winter herrscht auf der Erde, und erst wenn Persephone aus der Unterwelt zurückkommt, blüht die Natur wieder auf.
Wie der Blumenwanderer kürzlich auf einer schönen Vorfrühlings-Wanderung über den Mont d'Orge bei Sitten feststellen konnte, gibt es Anzeichen dafür, dass Persephone aus der Unterwelt zurückgekehrt ist!





fast so als zögerten sie noch, strecken diese Kleinen die Köpfchen
empor: Zwerg-Stiefmütterchen (Viola kitaibeliana)
zwischen Taubnesseln

Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis)

unscheinbarer geht's fast nicht!




es ist die Steinkresse (Hornungia petraea), die gerne auf
warmen, kalkreichen Steinböden und Erdanrissen spriesst

ihre zierlichen Fiederblättchen sind schon
von der Sonne rot verfärbt, und die Schötchen
des Kreuzblütlers zeigen sich!
Makro-Aufnahmen von zwei Mikro-Blühern!
Diese Foto (Steinkresse) wie auch die nächste verdanke ich Paul Hürlimann.

die kaum von blossem Auge erkennbaren Blütchen eines
weiteren Walliser Frühblühers, des Schildschötchens
(Clypeola jonthlaspi). Zu erkennen sind auch einzelne Sternhaare,
die typisch sind für diese Art.

das Schildschötchen wuchs wie angesät im Schutze
eines Felsblatts und ...

war neben den Gelbsternen die Zielpflanze dieser
Wanderung. Endlich habe ich sie mal blühend angetroffen!

dazwischen blühte auch der Acker-Steinsame
so habe ich den Trauben-Gamander (Teucrium botrys) noch nie gesehen
zu den Kleinen, die jetzt in Blüte stehen, zählt auch die
Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)


es ist immer wieder erhebend, im braunen Gras
so früh im Jahr diese schöne Art anzutreffen!

es ist der Felsen-Gelbstern (Gagea saxatilis).
Auch im Wallis ist er nicht häufig.


Festknolliger Lerchensporn (Corydalis solida)
ein Berg-Anemönchen (Pulsatilla montana)
lugt hinter einem Gras-Büschelchen hervor


zwischen dem fädigen Blattgewusel der Gelbsterne
blühten hier die Lenzblümchen (Erophila verna)

die am Stängel befindlichen Hochblätter sind deutlich
breiter als die grundständigen fadenförmigen Blätter

unweit davon eine andere Art: es ist der Acker-Gelbstern (Gagea villosa),
bei dem alle Blätter breiter sind

wenn die Schlossruine in Sicht kommt,
ist es bald schon geschafft und .....

man erreicht den Gipfel des Mont d' Orge mit
der Muttergottes, die das Jesuskind
segnend gegen die Stadt Sitten hält




schöne Ausblicke begleiten einen während der ganzen Wanderung
über den "kleinsten Berg" des Wallis



hier wieder der Acker-Gelbstern (Gagea villosa) ....

 voll aufgeblüht an der Böschung zwischen Weg und Rebmauer.

auch der Gelbe Günsel (Ajuga chamaepitys)
treibt schon die ersten Blütchen!



das Grauflaumige Fingerkraut (Potentilla pusilla).
überall begleiten einen auch die bildschönen
Berg-Anemonen (Pulsatilla montana) und....


so schön, wie hier die Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana) austreibt!


die Färber-Waid (Isatis tinctoria)
wird schon bald erblühen!

da ist die Oesterreicher-Schwarzwurzel
(Scorzonera austriaca) schon weiter!

mehrmals traf ich auf solch silbrige "Büsche"
der Walliser Lotwurz (Onosma pseudoarenaria)
aus dem vorigen Jahr

Fazit: obgleich der Mont d' Orge am Morgen noch mit Schnee überzuckert war,
blüht schon erstaunlich Vieles. Persephone ist zurück!
 Der Mythos gilt nicht nur als eine Allegorie für den Wechsel
der Jahreszeiten, sondern auch als Bild für die Unsterblichkeit der Seele.