Freitag, 17. August 2018

Pierre et la Pierreuse

im Pays d' Enhaut befand sich einmal eine Weide mit so üppigem Gras, dass man sie "la Verde" nannte. Aber Pierre, der Küher, wollte eine schöne Burgunderin verführen und beabsichtigte zu diesem Zweck, den Feen des Rubli ihr Geheimnis entlocken. Das erzürnte die Feen dermassen, dass sie mit einem Erzdonnergetöse die schöne Weide unter einem Steinhaufen verschwinden liessen. Seither nennt man sie "la Pierreuse".
Wenn auch die Steine dem Vieh nur ein mageres Gräslein bieten, so liessen sie sich doch bald schon von zarten Blumen besiedeln, die schliesslich auch den Blumenwanderer anzogen und ihn veranlassten, sich eines sonnigen Julitages ins Pays d' Enhaut zu begeben auf der Suche nach ihnen und dem weissen Alpenmohn und seinem Duft, von dem kein Buch zu berichten weiss.

Tourdatum: 18. Juli 2018



man ist schon eine ganze Weile gewandert,
bis man diesen Anblick geniessen kann.
Im Vordergrund: Gelber Fingerhut (Digitalis lutea)

die fünf  Zungenblüten des Mauerlattichs
(Mycelis muralis) täuschen eine
Einzelblüte vor



Moosorchis (Goodyera repens)






ein Dom von einem Ameisenhaufen


Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris)


Kleines Zweiblatt (Listera cordata)
zum Grössenvergleich mit Fünfliber

das auf einem Mooshügelchen thronende stattliche
Exemplar fiel mir vom Wanderweg aus auf


die Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare)...

mit den dazugehörigen Blättern...

liebt feuchte Wiesen.

Mierenblättrige Weidenröschen (Epilobium alsinifolium)
an einem verwunschenen Ort, wo in einem Seelein
eine der Quellen der Gérine liegt.

Christophskraut (Actaea spicata)
mit noch grünen Früchten



der Knotenfuss (Streptopus amplexifolius)
ist bereits abgeblüht




als Liliengewächs gehört er zu den Einkeimblättrigen,
deren Laubblätter typischerweise parallelnervig sind,
hier zudem stängelumfassend

das ist also die Verheerung,
welche die aufgebrachten Feen angerichtet haben!




und hier die Juwelen, die trotz allem dort zu finden sind:
Westlicher Alpen-Mohn (Papaver occidentale)


kein Mohn, sondern der
Alpen-Hahnenfuss (Ranunculus alpestre)


kaum zu glauben, dass so zarte Geschöpfe in einer
so unwirtlichen Umgebung gedeihen können








ich bin immer wieder gerade von unseren kleinsten Bäumen
fasziniert wie hier von der gerade blühenden
Netzweide (Salix reticulata)....


oder von der Stumpfblättrigen Weide (Salix retusa),
oben ein männliches und unten ein weibliches Exemplar.





ein weiterer Kalkschuttbewohner ist
die Gämskresse (Pritzelago alpina)



Zottiges Habichtskraut (Hieracium villosum)



Villars' Wurmfarn (Dryopteris villarii)
kommt typischerweise im Kalkgeröll vor





aus einem Felsblock heraus wuchsen diese schönen Blumen:
Kalk-Glocken-Enziane (Gentiana clusii) und ...

der Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus).



ehrfürchtig wandert man an den schroffen Gipfeln westlich
der Gummfluh vorbei...


und wendet den Blick gerne auch wieder
nach unten, z.B. zu zwei schönen Blaublütern:
Rautenblättrige Glockenblume
(Campanula rhomboidalis)


Niedliche Glockenblume (Campanula cochleariifolia).
Es dauert noch eine ganze Weile, bis sich der Kreis geschlossen
hat und man wieder am Ausgangspunkt ist.









Montag, 23. Juli 2018

wo die Geier kreisen

Das waren noch Zeiten, als die Bernische Botanische Gesellschaft eine Voralpenexkursion auf den Rotenkasten durchführte! So geschehen 1964 unter der Leitung von Prof. Max Welten.

In den Sitzungsberichten liest man:
Beim Abstieg vom Rothenkasten und der Luchernalp überraschte uns auf der Suche nach dem richtigen Fußweg Fräulein Klara M. Röthlisberger (Langnau i. E) mit einem Neufund für den Kanton Bern. Auf der Alp Münchenberg fand sich bei 1890 m auf sonnigem Fels Astragalus sempervirens. Die Art erreicht, von den spanischen Gebirgen kommend, die Westalpen und die Schweizer Alpen. Sie ist in den penninischen Südketten des Wallis bis ins Binntal verbreitet, wenn auch nicht häufig, erreicht an der Furka, im Bavona- und Bleniotal das Gotthardgebiet, folgt der Südseite der Berner Alpen jedoch nur bis Derborence, ist aber eine besondere Zier der warmen Freiburger Kalkvoralpen (etwa der Dent de Brenleire und der Dent de Folliéran) und erreicht dort nach Jaquet den « Schafberg oberhalb der Luchernalp».

Zum Glück braucht man nicht den schwierigen Gipfel des Rotenkastens oder des Schafbergs zu besteigen, um den fürs Bernbiet einmaligen Tragant zu finden. Das würde sich ein Nachgeborener wie der Blumenwanderer auch nicht zutrauen.
Uebrigens findet sich ein Nachruf auf die aussergewöhnliche Klara Röthlisberger (1918-2012) hier:

https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=mnb-002:2013:70::248


der Schafberg mit seine rötlichen Felsbändern. Es ist der Hämatit
der Couches-Rouges-Gruppe, die dem Gestein die rote Farbe verleiht.
An den Hängen dieses Berges sah ich über mir Gänsegeier im Aufwind kreisen!





das Narzissen-Windröschen (Anemone narcissiflora)
fruchtet schon ...

ebenso wie die Alpen-Anemone (Pulsatilla alpina)


Gegenblättriger Steinbrech
(Saxifraga oppositifolia)

Pracht-Nelke (Dianthus superbus)



am nie bewirtschafteten Abhang des Schafberges
ist ein Blumenparadies


Wollköpfige Kratzdistel (Cirsium eriophorum)

Scheckenfalter (Melitaea sp.)

schon kommt ein erstes Sträuchlein mit dem Dorn-Tragant
(Astragalus sempervirens) in Sicht. Rechts davon ist eines des
Halbstrauchigen Ehrenpreises zu sehen (Veronica fruticulosa)


hier wächst der Dorn-Tragant über einen Kalkfelsen herab.
Die Tragante gehören zu den Schmetterlingsblütlern und stellen
die weltweit grösste Gattung unter den Gefässpflanzen dar.

das Art-Epitheton sempervirens (immergrün) für diese Art
ist irreführend, denn der Dorn-Tragant verliert durchaus
seine Blätter im Winter. Uebrig bleiben indes
ihre dornigen Mittelrippen.


etwas versteckt sind die Blüten, ...

die dennoch von Besuchern gefunden werden.

daneben blüht gerade das Hahnenfuss-Hasenohr
(Bupleurum ranunculoides) ...

und das Gipskraut (Gypsophila repens).


Vielgestaltiges Berufkraut (Erigeron glabratus)

das Hahnenfuss-Hasenohr (Bupleurum ranunculoides)...

gehört zu den Doldenblütlern! Auffällig ist die Hochblatt-Hülle,
die dieser Gattung eigen ist.

Knäuelblütige Glockenblume
(Campanula glomerata)



das Gelbe Alpen-Stiefmütterchen (Viola lutea) hat im
oberen Simmental einen Verbreitungsschwerpunkt


Alpen-Astern (Aster alpinus) in Vollblüte!




nun kommt die Fels-Bastion des Rotenkastens in Sicht.
Davor viel Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta)

der schroffe Ostgrat des Rotenkastens





der Allermannsharnisch (Allium victorialis)
wird im Bernbiet auch Nünhemmlere genannt

Kugelorchis (Traunsteinera globosa)


Mondraute (Botrychium lunaria)

Bärtige Glockenblume (Campanula barbata)


das Orangerote Greiskraut (Tephroseris capitata)...

ist schon am Abblühen.





die Silberwurz (Dryas octopetala) bildet eine Art Haarmannli,
wenn sie verblüht ist



verblüht ist auch Hallers Spitzkiel (Oxytropis halleri)
mit seinen Seidenhaaren

links vom Greiskraut ist der Niesen
zu sehen

den Thunersee sah ich nur knapp wegen des Dunstes








Strauss-Glockenblume (Campanula thyrsoides)

Zottiges Habichtskraut (Hieracium villosum)




Blick gegen Westen mit dem Niesen in der Bildmitte.
Imposant der Gelbe Enzian (Gentiana lutea)

noch blüht ein zwergenhaftes
Männliches Knabenkraut (Orchis mascula)



unter dem Rotenkasten gab es noch so manches Schneefeld...

mit den zugehörigen Soldanellen (Soldanella alpina) daneben.

Moschus-Steinbrech (Saxifraga exarata ssp. moschata)

Kalk-Polsternelke (Silene acaulis)

Grauer Alpendost (Adenostyles alliariae)
vor der Silhouette des Bäderhorns

Alpen-Hahnenfuss (Ranunculus alpestris)


zuoberst am Garte angelangt, musste ich unter dem Regenschirm
hervor fotografieren. Die Fernsicht war trotz des Regens erstaunlich gut.