Montag, 22. Oktober 2018

seltene Ackerbegleiter

Was ist denn das nun wieder, mag man sich fragen. Besser wären wohl Ausdrücke wie Ackergarnitur, Ackerschmuck oder Ackerzierde!
Auf jeden Fall hat es seit je Pflanzen gegeben, die zusammen mit dem Getreide aufwuchsen und bunt zwischen den Halmen oder an sie geklammert blühten. Schon Jesus hat gefordert, das Unkraut mit dem Weizen zusammen wachsen zu lassen und es nicht auszureissen (Matthäus, Kapitel 13, Verse 24-30). Daran hat man sich leider nicht gehalten!
Doch halt, es gibt ein paar Dörfer im Wallis .....

Die meisten Pflanzenarten der Getreideäcker sind Archäophyten, d.h. sie kamen schon vor langer Zeit mit den Ackerbau betreibenden Menschen ab 5500 v. Chr. aus dem Mittelmeerbecken und dem Nahen Osten nach Mitteleuropa. Diese auch Segetalflora genannten Blumen sind fast ausschliesslich einjährige Pflanzenarten, die dem Zyklus des Ackerbaus angepasst sind.
Die meisten dieser etwa 70 Begleitarten der kalkreichen Getreideäcker stehen unterdessen auf der Roten Liste und kommen in der Schweiz nur noch an wenigen Stellen vor.

Die folgenden Aufnahmen, die anlässlich von drei Reisen ins Wallis enstanden, sollen aufzeigen, welch ein Reichtum uns verloren gegangen ist.




schon auf der Anfahrt nach Lens musste der Blumenwanderer
ein paarmal anhalten, um einige Besonderheiten "by the roadside"
zu bewundern: oben Walliser Lotwurz (Onosma pseudoarenaria),
unten ein Blasenstrauch (Colutea arborescens).


auch von der Strasse aus wurde ich auf ein brachliegendes Roggenfeld
aufmerksam, wo gerade unzählige Kornblumen (Centaurea cyanus) blühten


dieses Aeckerchen erwies sich als eine
wahre Fundgrube seltener Ackerbegleiter

hier der Sommer-Adonis (Adonis aestivalis),
auch schon fruchtend und...


der seltene Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense),
der etwas versteckt am Rande des Aeckerchens aus dem Gras hervorleuchtete.

es handelt sich um einen Halbparasiten
auf Weizen und anderen Gräserarten

die violetten Blätter oben im Blütenstand sind
nicht Blütenblätter sondern sog. Hochblätter.
Die Blüten selbst sind gelb mit roter Lippe.


zahlreich vertreten war auch
die Kornrade (Agrostemma githago) und...

das Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum
rotundifolium), ein seltener Doldenblütler



besonders gefreut hat mich auch dieser
Doldenblütler: der Venuskamm
(Scandix pecten-veneris), hier blühend...


und da fruchtend. Er war hier so zahlreich,
dass Venus für ihre Schönheit
für alle Zeiten ausgesorgt haben dürfte!


einer meiner Lieblinge ist zweifelsohne der Feldrittersporn
(Consolida regalis), der neben der Kornblume für den
bläulichen Aspekt dieses Aeckerchens sorgte

wie die meisten Ackerbegleiter ist
auch er einjährig und sät sich selber aus

als Kältekeimer müssen die Samen jedoch
dem Winterfrost ausgesetzt sein


 gehört eigentlich nicht hierher, ist aber dennoch
schön: die Quirl-Salbei (Salvia verticillata)

hier ist der Unterschied im Blütenstand zur
einheimischen Salbei (Salvia pratensis) zu sehen:
links verticillata, rechts pratensis




schon verblüht ist der Acker-Hahnenfuss (Ranunculus arvensis)
mit seinen stacheligen Früchten




nicht fehlen darf an einem solchen Ort
der Gelbe Günsel (Ajuga chamaepitys)




beim Gekielten Lauch (Allium carinatum) geben die langen
Hüllblätter erst grad die Sicht auf den Blütenstand frei


schon verblüht dagegen war
die Möhren-Haftdolde (Caucalis platycarpos)



von hier an die Bilder aus Montana,
wo ich diese Roggenfelder einfach nur genoss!

erstmals überhaupt habe ich hier dieses
seltene Labkraut gesehen, es ist
das Dreihörnige (Galium tricornutum)

ihn jedoch kennen alle:
der Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)





ohne Worte





wie schön ist doch das Blutströpfchen,
wie der Sommer-Adonis auch genannt wird


die seltene Knollige Platterbse (Lathyus tuberosus)...

wächst hier zwischen den Flockenblumen.


zum Grössenvergleich ein Einfrankenstück:
links Gelber Günsel, rechts Knorpelkraut

der Blaue Gauchheil (Anagallis foemina) kommt
in der Schweiz nur sehr zerstreut vor

das Grosse Knorpelkraut (Polycnemum majus)
blüht gerade total unscheinbar in den Blattwinkeln


aber eigentlich ist alles an dieser Rarität unscheinbar

das obligate Einfrankenstück tritt hier wieder in Erscheinung


schon auffälliger gebärdet sich dieser
hier mit den ungewöhnlichen Frisuren

es ist der Weinberg-Lauch (Allium vineale),
auch unter dem Namen Wilder Knoblauch bekannt




Blüten zeigt er meist kaum, dafür umso
mehr Brutzwiebeln, die bereits Blätter treiben



Gezähnter Ackersalat (Valerianella dentata)


wie viele der vorgestellten Ackerbegleiter
ist auch der Einjährige Ziest (Stachys annua)
ein aus dem Orient stammender Archäophyt...

und wie viele andere passte er sich dem jährlichen
Pflügen des Bodens an, indem er annuell wurde,
d.h. sich selbst jedes Jahr neu aussäte.





nicht unerwähnt bleiben in diesem Beitrag soll natürlich
 der Protagonist: der Roggen (Secale cereale)

seinetwegen blüht und blühte über Jahrhunderte
hinweg sein ganzes Gefolge



nicht genug kann man sich daran sattsehen

Erdrauch (Fumaria officinalis)




Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides)



eine Ueberraschung war dieser Gast aus Südeuropa:
die Sonnenwend-Flockenblume (Centaurea solstitialis)


sie kann eigentlich als Neophyt gelten und....

fand sich zerstreut in einem Luzerne-Acker.


die Bestachelung dürfte ihr als Frassschutz dienen


wie Sterne sehen die Knospen aus und so wird die Pflanze
im Englischen Golden Star-Thistle genannt

ob die Biene nicht zuviel ist für die kleine Krabbenspinne?




eine der gefährdetsten hier vorgestellten Arten ist
die Spatzenzunge (Thymelaea passerina)
aus der Familie der Seidelbastgewächse

 Die Pflanze liebt den einjährigen Fruchtwechsel und
 gehört zu den Charakterarten der Getreidefruchtfelder 


die gelblichen Blüten erscheinen in
den Achseln der lederigen Blättchen...

und öffnen sich nur wenig.


nicht weniger gefährdet ist
der Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis)

kurz vor dem Einnachten noch gesehen:
die Einjährige Strohblume (Xeranthemum annuum)